Mit der Luxuskarosse in Lebensgefahr

Sicherheitsfirmen und Versicherer raten deutschen Unternehmen, ihre Mitarbeiter vor Auslandsreisen besser auf Risiken vorzubereiten

Financial Times Deutschland, 30.08.2007, S. A4

Financial Times Deutschland (FTD)

Wer in Krisenregionen reist, muss mit allem rechnen. Das hat die Entführung von 21 Südkoreanern und drei Deutschen in Afghanistan in den letzten Wochen erneut verdeutlicht. Gefährlich kann es aber nicht nur am Hindukusch werden. Auch in Ländern wie Kolumbien oder auf den Philippinen werden immer wieder Reisende entführt. Oft sind Geschäftsreisende betroffen.

Sicherheitsunternehmen wie die Münchner Result Group schätzen die Zahl der Entführungen auf 10 000 pro Jahr. Gemeinsam mit der Allianz-Tochter Elvia Reiseversicherung bietet das Unternehmen deswegen ein Verhaltens- und Sicherheitstraining für Geschäftsreisende an. „Oft kann man Entführungen mit ganz einfachen Verhaltensregeln vermeiden“, sagt Walfried Sauer, geschäftsführender Gesellschafter der Result Group.

In dem eintägigen Kurs sollen die Teilnehmer lernen, die Gefahren im jeweiligen Land richtig einzuschätzen. Die Grundregel: Kein Aufsehen erregen. Das bedeutet, nicht mit dem teuren Auto durch Krisenregionen zu fahren, keine auffällige Kleidung zu tragen und in den richtigen Hotels abzusteigen. Unternehmen können das Seminar zusätzlich zu den anderen Reiseversicherungen der Elvia buchen. 27-mal wurde das Training nachgefragt, seit es vor einem Jahr eingeführt wurde, berichtet Andreas Krugmann, Kundenmanager bei Elvia. „Aber die Anfragen werden immer mehr“, sagt er.

Die Konkurrenz bietet ähnliche Leistungen an. Die Europäische Reiseversicherung informiert seit Ende Juli im Rahmen eines Rundum-Sicherheitskonzepts ihre Kunden gezielt auch zum Thema Sicherheit. „Versicherer schreiben solche Präventionsgespräche heute vor, wenn sich ein Unternehmen gegen Entführungen versichern will“, sagt Walfried Sauer von der Result Group.

Allerdings ist es, wie Mitarbeiter der Sicherheitsunternehmen immer wieder kritisieren, bei deutschen Unternehmen noch lange nicht üblich, reisende Mitarbeiter ausreichend zu versichern und vorzubereiten. „Der Mittelstand ist die größte Problemgruppe. Aber auch bei den großen Unternehmen gibt es noch Nachholbedarf“, sagt Andreas Krugmann. Gerd Otto-Rieke vom Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) beobachtet ebenfalls häufig, dass Firmen ihre Auslandsreisenden ins offene Messer laufen lassen. „Anscheinend sind sich viele Unternehmen ihrer Fürsorgepflicht nicht bewusst“, sagt er. Der VDR bietet Fortbildungen an, in denen Managern aufgezeigt wird, wie sie ihre Mitarbeiter auf Reisen absichern. Dass ein Tagesseminar im Grunde zu wenig ist, um sich auf Entführungen vorzubereiten, weiß auch Otto-Rieke. Das Problem seien aber die Firmen. „Es wird immer schwieriger, dass Mitarbeiter dafür freigestellt werden.“

Auch das Auswärtige Amt in Berlin gibt Reisewarnungen heraus. Doch die sind nicht speziell auf Geschäftsreisende zugeschnitten. Wer kompetente Einschätzungen zu einzelnen Ländern und Regionen will, ist laut Otto-Rieke oft besser beraten, sich an private Sicherheitsunternehmen zu wenden. Deren Lageberichte sind allerdings in der Regel kostenpflichtig.


Autor: Dirk Eckert