AGG-Kosten

Deutsche Unternehmen investieren viel Geld, um sich unangreifbar zu machen

Financial Times Deutschland, 04.09.2007, Dossier, S. 7

Financial Times Deutschland (FTD)

Deutsche Unternehmen haben im vergangenen Jahr im Schnitt 72,50 € für jeden sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiter ausgegeben, um die Vorgaben des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) umzusetzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Dortmund. Sie wurde in Auftrag gegeben von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanziert wird. Die Dortmunder Wissenschaftler hatten 501 repräsentativ ausgewählte Firmen befragt.

Insgesamt soll das AGG danach Kosten von 1,73 Mrd. € verursacht haben. Der Hochrechnung zufolge haben Unternehmen 532 Mio. € für Schulungen von Mitarbeitern aufgewendet. Weitere 602 Mio. € waren nötig, um neue Standards und „strategische Implementierungen“ einzuführen. Für die INSM zeigt das: Das Gesetz zur Allgemeinen Gleichbehandlung ist vor allem teuer. Unternehmen würden viel Geld ausgeben, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen.

Gerade die Gleichbehandlung werde durch das Antidiskriminierungsgesetz aber nicht gefördert. In der Praxis führe das Gesetz nämlich zu „Heuchelei“, argumentiert INSM-Geschäftsführer Max Höfer. Mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmen hätten angegeben, personelle Entscheidungen nicht mehr begründen zu wollen. An Bewerber würden sie nur noch Standardabsagen verschicken. „Aus Angst vor Missbrauch teilen Unternehmen Bewerbern kaum noch die Gründe für die Absage mit“, sagt Höfer.

Die Kritik nicht nachvollziehen kann der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). „Natürlich kosten Schulungen Geld“, sagt DGB-Sprecherin Marion Knappe. Das Ziel des Gesetzes sei es aber nicht, den Unternehmen Kosten zu verursachen, sondern Diskriminierung durch Prävention zu verhindern. Sie zweifelt an der Richtigkeit der Zahlen. Unklar sei beispielsweise, ob Ausgaben für „strategische Implementierungen“ wirklich durch das Antidiskriminierungsgesetz verursacht worden sind.


Autor: Dirk Eckert