„Verheizen wäre das Schlimmste“

Studiengebühren dürfen nur für eine bessere Lehre ausgegeben werden, sagt Studi-Vertreter Konstantin Bender

taz nrw, 29.06.2007, S. 2

Interview taz nrw

taz: Herr Bender, die meisten Hochschulen in Nordrhein-Westfalen haben inzwischen Studiengebühren eingeführt. Wofür sollte das Geld verwendet werden?

Konstantin Bender: Grundsätzlich halten wir Studiengebühren für den falschen Weg, die Hochschulen zu finanzieren. Wenn sie doch erhoben werden, darf damit nur die Lehre verbessert werden. So ist es auch im Gesetz vorgeschrieben. Es dürfen jedenfalls keine Dienstwagen angeschafft oder Gebäude saniert werden. Das ist höchstens in sehr geringem Maße erlaubt.

taz: Gebühren dürfen also auch nicht für Heizkosten ausgeben, also sprichwörtlich verheizt werden?

Konstantin Bender: Das wäre das Schlimmste, was passieren könnte. Das hat nichts mit Verbesserung der Lehre zu tun.

taz: Warum? Wenn Hochschulen mit Studiengebühren zwar Bücher kaufen, aber die Bibliothek nicht beheizen dürfen, verschimmeln die Bücher im Winter.

Konstantin Bender: Das ist jetzt etwas spitzfindig. Die Infrastruktur darf nicht von Studierenden finanziert werden, denn in den nächsten Jahren wird die Zahl der Studierenden stark schwanken. Wenn die Grundfinanzierung der Hochschulen dann über die Studierenden läuft, gehen die Bücher in der Tat kaputt.

taz: Mit Studiengebühren soll die Qualität der Lehre verbessert werden. Das geht doch am besten, wenn man zusätzliches Personal einstellt.

Konstantin Bender: Die Möglichkeit besteht ja, aber nur, wenn es eine starke Nachfrage gibt. Grundsätzlich muss Lehrpersonal aber vom Land finanziert werden. Die Studierenden dafür heranzuziehen, ist grob fahrlässig, weil der Staat sich dann sofort aus der Finanzierung zurückziehen würde.

taz: Aber es wären ja zusätzliche Stellen, die man auch befristet vergeben könnte.

Konstantin Bender: Die Hochschulen sind heute schon die größten Zeitarbeitsfirmen in der Bundesrepublik. Die Qualität der Lehre wird dadurch nicht besser, das weiß man aus verschiedenen Untersuchungen. Wer nicht absehen kann, ob er im nächsten Semester noch an der Hochschule ist, engagiert sich nicht über das vertragliche Maß hinaus.

taz: Also kein zusätzliches Personal, keine neuen Gebäude – was sollen die Hochschulen mit den ganzen Studiengebühren anfangen?

Konstantin Bender: Genau das wird ja auch schon diskutiert, an der Uni Münster zum Beispiel. Dort gingen viele davon aus, dass 500 Euro gar nicht nötig sind. Darauf sollte man auch mal hören.

KONSTANTIN BENDER, 27, ist Vorstandsmitglied im freien zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs).


Autor: DIRK ECKERT