Klima-App: Gesunde Pflanzen

Mit dem Klimawandel verändert sich die Vegetation. Wie sich das Pflanzenwachstum genau verändert, kann jeder mit seinem Smartphone und der Grow-App dokumentieren.

Impuls (SWR2), 08.05.2017

Radio SWR2

(Anmoderationsvorschlag)

Mit dem Klimawandel verändert sich die Vegetation. Wie sich das Pflanzenwachstum genau verändert, kann jeder mit seinem Smartphone dokumentieren und erforschen – und mit der App „GrowApp“, die es im Internet unter www.growapp.today gibt. Dirk Eckert hat sie sich angesehen. Die GrowApp gibt es derzeit für Android, eine Version für IPhone soll folgen.

O-Ton Schneider (schneider-foto-neues foto):

„Und jetzt sehen Sie hier, wie im Hintergrund das alte Foto steht dort und meine Kamera zeigt mir das neue Foto an. Und jetzt bringe ich die genau zur Deckung und drücke auf Foto machen.“

Karl Schneider fotografiert mal wieder einen Baum. Mit seinem Smartphone und einer speziellen App, die dabei hilft, immer wieder das gleiche Foto zu schießen. GrowApp heißt die App, die der Kölner Professor nutzt. Jeder kann damit Bäume, Büsche oder andere Pflanzen in ihrem Wachstum dokumentieren. Oder ganze Gärten und Landschaften. Die Fotos werden in eine Datenbank hochgeladen, dann kann man auch noch Daten eingeben. Den Namen des Baums etwa.

O-Ton Schneider (schneider-foto-beschreibung):

„Jetzt kann man hier mit diesem Foto eine Beschreibung eingeben. Zum Beispiel kann ich den Baumumfang eingeben. Das könnte ich jetzt mit einem Maßband ausmessen.“

Der Rest erledigt das Smartphone. Standort und Datum werden automatisch übermittelt. Die GrowApp gehört zum Globe-Projekt, einem internationalen Bildungs- und Wissenschaftsprogramm. Globe steht für Global Learning and Observations to Benefit the Environment. 16 europäische Länder machen bei der GrowApp mit, Karl Schneider ist im Berater-Kreis. Im Internet schaut er, was aus seinen Fotos geworden ist.

O-Ton Schneider (schneider-googlen):

„Growapp Nature Today. Googeln. Und dann gibt es Nature Today und GrowApp findet man dann auf Google. Und dort ist die GrowApp dargestellt. Wenn man auf die Karte klickt, dann erhält man in englischer Sprache die Verteilung aller Messungen, die bis dahin gemacht worden sind mit der GrowApp.“

Quer durch Europa sind bereits Bäume fotografiert worden. Die Fotos können in Zeitraffer-Animationen dargestellt werden. Veränderungen, die sehr langsam vor sich gehen und mit bloßem Auge kaum wahrzunehmen sind, werden so sichtbar. Die GrowApp liefert noch Klimadaten dazu, etwa die Temperatur. So kann jeder das Pflanzenwachstum erforschen. Zur besseren Vergleichbarkeit empfiehlt das Globe-Projekt den Hobby-Biologen, sich auf sechs Bäume zu konzentrieren: Stileiche, Hasel, Hänge-Birke, Rotbuche, Sauerkirsche und Winterlinde.

Damit wird dann nachvollziehbar, wie sich zum Beispiel der Klimawandel auf die Pflanzenwelt auswirkt. Denn in Europa ist die Lufttemperatur seit der vorindustriellen Zeit im Schnitt um 1,5 Grad gestiegen. Die ersten Blüten sind deswegen heute zwei Wochen früher da als noch 1982, sagt Karl Schneider:

O-Ton Schneider (schneider-vegetationsdauer):

„Ja, der Klimawandel hat natürlich unmittelbare Auswirkungen auf die Pflanzen. Doch das sind nicht alles nur negative Auswirkungen. Auch positive, zum Beispiel die Vegetationsdauer wird länger. Das heißt, das Frühjahr kommt früher, der Herbst kommt später. Es ist länger warm. Das können allerdings auch wiederum eine Menge negativer Folgen damit zusammenhängen. Es sind nicht alle Bäume gleichermaßen darauf adaptiert.“

Die App ist noch neu, deswegen sind im Internet bisher erst Herbst und Teile des Frühjahrs fotographisch dokumentiert. Fotos mit dichtem Grün und gelbem Herbstlaub sind noch nicht dabei. Vom Grünton der Blätter können die Wissenschaftler übrigens Rückschlüsse auf den CO2-Gehalt in der Atmosphäre ziehen, denn Blätter nehmen bekanntlich Kohlendioxid auf. Karl Schneider hofft, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger beteiligen und fleißig Fotos machen:

O-Ton Schneider (schneider-forschen):

„Gerade in einer Zeit, in der es vielleicht immer schwieriger wird, Wahrheit von Nicht-Wahrheit, News von Fake-News zu unterscheiden, ist es nötig, dass man die Methode, wie man zu einer Aussage kommt, kennt und sie bewerten kann. Und das durch eigenes Tun, eigenes Erforschen. Und dazu muss man sich beteiligen an dem Erkenntnisprozess. und Forschung ist nichts nur für Experten, Forschen kann jeder. Jedes Kind erforscht seine Umwelt und erlernt dabei Dinge.“

Die GrowApp ist vor allem für die Bildungsarbeit gedacht, für das selbstständige Erforschen. Wie weit sich auch die Wissenschaft an dem Bildmaterial bedient, ist noch nicht ausgemacht. Denn die hat ihre eigenen Standards, was die Qualität und Auflösung der Bilder betrifft. Doch Karl Schneider hat schon Ideen.

O-Ton Schneider (schneider-untersuchung):

„Man kann auch untersuchen, inwieweit der Blatttrieb mit der Monatsmitteltemperatur zusammenhängt. Man kann sicher auch untersuchen, ob die Blattfärbung etwas mit anderen Umweltbelastungen zu tun hat, ob die Blattfärbung sich in einem städtischen Raum vielleicht schneller ändert als in einem ländlichen Raum. Da sind der Phantasie eigentlich keine Grenzen gesetzt.“


Autor: Dirk Eckert

MP3: http://avdlswr-a.akamaihd.net/swr/swr2/impuls/beitraege/2017/05/8-gesunde-pflanzen.12844s.mp3