„Vorteile für die Fahrgäste“

Nach der ÖPNV-Reform müssen die Tarife einheitlicher werden, sagt Verkehrsmanager Otfried Kinzel

taz nrw, 02.02.2007, S. 2

Interview taz nrw

taz: Herr Kinzel, was ändert sich mit der ÖPNV-Reform in Bus und Bahn am Niederrhein?

Otfried Kinzel: Im ÖPNV auf der Straße zunächst einmal gar nichts. Es kann sich aber einiges ändern, wenn wir einen neuen Tarif schaffen, der mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr kompatibel ist.

taz: Fürchten Sie nicht, untergebuttert zu werden, wenn Sie mit dem großen VRR kooperieren müssen?

Otfried Kinzel: Sicher gibt es diese Befürchtungen, vor allem beim Nahverkehrszweckverband Niederrhein, der bei uns für den Schienenverkehr zuständig ist. Beim straßengebundenen öffentlichen Personennahverkehr, für den ich zuständig bin, ist es aber so, dass im VRR alle Verkehrsunternehmen gleich behandelt werden – egal, ob sie einen Kreis oder eine Großstadt bedienen. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Wir arbeiten mit dem VRR sehr gut zusammen.

taz: Wenn aber gespart werden muss? Werden das die Fahrgäste zu spüren bekommen?

Otfried Kinzel: Gespart werden soll ja nicht bei den Fahrgästen, sondern bei Verwaltungsstrukturen.

taz: Es gibt aber auch Pläne, Strecken still zu legen.

Otfried Kinzel: Ja, bei Bahnstrecken muss wohl gespart werden. Entsprechende Beschlüsse werden überall in den Zweckverbänden vorbereitet. Das hat aber damit zu tun, dass der Bund die Regionalisierungsmittel gekürzt hat.

taz: Verkehrsminister Wittke will mit der Reform den Nahverkehr straffer organisieren und entbürokratisieren. Haben Sie nötige Reformen verschlafen?

Otfried Kinzel: Wir nicht, wir haben mit die geringsten Verwaltungskosten in Nordrhein-Westfalen. Die Verkehrsgemeinschaft Nieder- rhein hat nicht mal eine seperate Geschäftsstelle. Deswegen können wir auch praktisch keine Verwaltungskosten mehr einsparen. Das mag vielleicht im Osten von Nordrhein-Westfalen anders sein, wo sich fünf relativ gleich große Zweckverbände zusammenschließen.

taz: Die ÖPNV-Reform wird auch damit gerechtfertigt, dass die Zweckverbünde gemeinsam eine größere Marktmacht haben.

Otfried Kinzel: Ob das ein gewichtiges Argument ist, weiß ich nicht. Die Aufträge beim Schienenverkehr werden inzwischen ohnehin alle ausgeschrieben.

taz: Warum braucht es dann die Reform?

Otfried Kinzel: Wenn es gelingt, die Tarife zu vereinfachen und kompatibler zu gestalten bei gleicher Einnahmehöhe, dann sind das eindeutig Vorteile für die Fahrgäste.

OTFRIED KINZEL, 55, ist Leiter der Verkehrsgemeinschaft Niederrhein (VGN) und Vorstandsmitglied der Niederrheinischen Verkehrsbetriebe AG (NIAG).


Autor: DIRK ECKERT