AgfaPhoto ist nur noch Konkursmasse

Die britische Photo-Me wird AgfaPhoto nun doch nicht übernehmen. Die Produktion wird bis Jahresende eingestellt. 1.100 Beschäftigte sind betroffen. Insolvenzverwalter versucht, wenigstens Teile der Firma an Konkurrenten zu verkaufen

taz - die tageszeitung, 20.10.2005, S. 8

taz nrw

Die Nachricht hat sich schnell herumgesprochen unter dem Bayer-Kreuz: Die AgfaPhoto GmbH, traditionsreicher Fotohersteller aus Leverkusen, steht kurz vor dem Aus.

Die Hoffnung ist zerplatzt, dass der britische Fotoautomatenbetreiber Photo-Me wenigstens 400 der einst 1.700 Arbeitsplätze rettet. Denn der Gläubigerausschuss des insolventen Unternehmens musste feststellen, dass das Übernahmeangebot „dramatisch schlechter“ war als erwartet. Vor allem die Arbeitsplatzgarantie habe gefehlt, hieß es. Der Gläubigerausschuss lehnte das Angebot ab, das Photo-Me als „nicht verhandelbar“ deklariert hatte.

„Das ist schon traurig, das zu sehen“, kommentiert ein Bayer-Mitarbeiter im Leverkusener Chemiepark, wo AgfaPhoto eines seiner fünf Werke hat. Die anderen Werke des Traditionsherstellers stehen in Windhagen, Vaihingen, München und Peiting. Seine Schwester und sein Schwager seien auch betroffen, erzählt der Bayer-Mann weiter, beide arbeiteten bei AgfaPhoto.

„Das waren mal Kollegen“, erinnert sich der Bayer-Mitarbeiter wehmütig an die Zeit, als Agfa noch dem Bayer-Konzern gehörte. Ja, früher: Da war Agfa einmal ein erfolgreicher Fotohersteller. Warum AgfaPhoto nun pleite ist, weiß bis heute niemand so richtig. Sicher, die digitale Fotografie machte dem Filmehersteller zu schaffen. Aber als AgfaPhoto vor einem Jahr selbstständig wurde, war von Schwierigkeiten nie die Rede – bis zum überraschenden Insolvenzantrag Ende Mai.

Jetzt kamen Gerüchte auf, dass AgfaPhoto vielleicht absichtlich in die Verlustzone getrieben wurde, um leichter entlassen zu können und die Firma auszuschlachten. Die Staatsanwaltschaft fand jedoch „keine Anhaltspunkte für strafbares Verhalten“.

Der Insolvenzverwalter erreichte zwar, dass die Produktion mit derzeit nur noch 1.100 Beschäftigten wieder aufgenommen werden konnte. Für den künftigen Geschäftsbetrieb suchte er nach einem Investor. Photo-Me war dabei der letzte Anbieter, der AgfaPhoto als Ganzes übernehmen wollte. Nachdem nun daraus nichts wird, setzt der Insolvenzverwalter auf Investoren, die an einzelnen Teilen interessiert sind.

Der japanische Hersteller Fuji hat bereits angeboten, die Großlaborgeräte-Produktion und 60 Arbeitsplätze zu übernehmen. Auch andere Unternehmen hätten bereits Interesse signalisiert, sagte AgfaPhoto-Sprecher Thomas Schulz. Darunter seien auch solche, die mit Photo-Me in Geschäftsbeziehungen stehen und sich deshalb bislang zurückgehalten hatten. Die Produktion laufe auf jeden Fall bis zum Jahresende aus, bestätigte Schulz.

Die Beschäftigten sollen in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft wechseln. Dort bekommen sie ein Jahr lang 90 Prozent ihres Gehaltes, jeweils zur Hälfte von der Bundesagentur für Arbeit und aus der Insolvenzmasse finanziert. Damit sei die Beschäftigungsgesellschaft, findet Schulz, „gerade für eine Insolvenz gut ausgestattet“. Der Betriebsrat war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.


Autor: DIRK ECKERT