Museumsmacher lassen auf Nazi-Mäzen nichts kommen

Dass der Wuppertaler Kunstmäzen Eduard von der Heydt eine wichtige Figur in Nazideutschland war, hört man beim Museum, das seinen Namen trägt, nicht gerne. Auf Proteste reagierte das Museum mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch. Heute geht das Verfahren in die zweite Instanz

taz nrw, 18.10.2005, S. 3

taz nrw

Geht es um moderne Kunst, kann sich Wuppertal mit dem Von der Heydt-Museum schmücken. Seine Sammlung umfasst Werke von Vincent van Gogh und Pablo Picasso, mit Sonderausstellungen macht das Museum im Bergischen Land regelmäßig Schlagzeilen. Nur mit seiner eigenen Geschichte und vor allem der braunen Vergangenheit von Kunstmäzen Eduard von der Heydt, einem seiner Namensgeber, tut sich das Museum schwer.

Heute stehen in Wuppertal drei Personen vor Gericht, die im Jahr 2002 die Feier zum 100. Geburtstag des Museums gestört hatten, um auf die Nazivergangenheit des Sohns von August von der Heydt aufmerksam zu machen. In der ersten Instanz wurden sie zu Geldstrafen verurteilt. Eduard von der Heydt, Spross einer Wuppertaler Bankiersfamilie, war im Zweiten Weltkrieg in der Schweiz „eine zentrale Figur der Devisenbeschaffung für Nazideutschland und für Verwertung aus ganz Europa“, kritisieren die Antifaschisten. „Wenn das nicht selbstverständlicher Teil der Auseinandersetzung ist, muss man eben mit Flugblättern und Zwischenrufen agieren“, rechtfertigt Stephan Stracke, einer der Angeklagten, die Protestaktion.

Das Museum reagierte darauf mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch. Die scharfe Reaktion war kein Versehen, wie sich schnell zeigte. Denn als bekannt wurde, dass die Wuppertaler Kunstsammlung im Besitz dreier Bilder war, die ihren jüdischen Besitzern nach 1933 von den Nazis abgepresst worden waren, weigerte sich das Museum, die Bilder an die Erben der früheren Eigentümer zurückzugeben.

Die Begründung war bemerkenswert: Rechtsansprüche bestünden nicht, argumentierte der Vorsitzende des Museumsvereins, Eberhard Robke, gegenüber der Westdeutschen Zeitung und „auch eine moralische Verpflichtung vermögen wir fast 60 Jahre nach Beseitigung des Nazi-Unrechtsregimes angesichts der vielen Millionen Mark, die unser Staat an finanzieller Wiedergutmachung geleistet hat, nicht erkennen“. Unisono griffen Robke und Museumsdirektorin Sabine Fehlemann tief in die Kiste antisemitischer Klischees: Es gehe den Erben ja doch nur ums Geld. „Wir wissen, dass die Werke nach einer möglichen Restitution verkauft oder auf Kunstmärkten versteigert werden sollen“, sagte Robke.

Nach der Weigerung des Museums, die geraubte Kunst zurückzugeben, begann ein „unwürdiges Hinhalteverfahren“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung), in dem auch die Eigentümerverhältnisse noch einmal geprüft wurden. Schließlich beschloss der Wuppertaler Rat im Frühjahr 2005 endgültig die Rückgabe der Bilder.

Beim Von der Heydt-Museum hat man bislang keine Konsequenzen aus der Affäre gezogen. Bis heute findet sich etwa auf der Internetseite kein Hinweis auf die geraubten Bilder. Dafür wird um so detaillierter in der Chronik aufgelistet, wie viele Bilder das Museum bei der Nazi-Aktion „Entartete Kunst“ sowie nach 1945 durch Beschlagnahme der Alliierten verloren hat. Über den generösen Stifter von der Heydt heißt es knapp: „Er war einer der ersten, der mit einem untrüglichen Spürsinn für Qualität den Gedanken einer ,Weltkunst‘ zur Basis seines Sammelns machte.“

Wie Eduard von der Heydt sein Vermögen machte, davon erfährt der Leser nichts. Auch nicht davon, dass er, der 1926 Mitglied des „Stahlhelm“ und 1933 der NDSAP geworden war, als Vorsitzender des Fördervereins der Nationalgalerie nicht die „Weltkunst“, sondern die Nazi-Kunst gefördert hat. Antisemitische Äußerungen sind belegt, etwa seine Warnung vor der „Verjudung der deutschen Finanz und Öffentlichkeit“.

Seinem Renommee hat das nach dem Krieg in Wuppertal keinen Abbruch getan. 1952 wurde von der Heydt Ehrenbürger der Stadt. Ohne sein Mäzenatentum hätte „unser Von der Heydt-Museum heute nicht den Rang (…), den es zu Recht für sich behaupten und beanspruchen kann“, lobte 1997 der damalige Oberbürgermeister Hans Kremendahl (SPD).

Die Wuppertaler Antifaschisten fordern die Umbenennung des Museums in Jankel-Adler-Museum. Der Wuppertaler Maler musste 1933 vor den Nazis fliehen, kämpfte 1940 in Dünkirchen gegen die Deutschen. Nach Deutschland wollte er nie mehr zurück.


Autor: DIRK ECKERT