So geht denn hin, ihr Hirten, geht!

Der Weltjugendtag will seine Abschlussveranstaltung mit dem Papst nicht mehr in der Hangelarer Heide abhalten. Ein neuer Standort für 2005 ist noch nicht gefunden. Die Naturschützer wollen jetzt ein völliges Bauverbot in der Heide durchsetzen

taz köln, 13.08.2004, S. 1

taz köln

Der Papst kommt nun doch nicht nach Hangelar. Wie die Weltjugendtag gGmbH gestern mitteilte, soll der Abschlussgottesdienst des Weltjugendtages im August 2005 nicht in der Hangelarer Heide bei Sankt Augustin stattfinden. Zu der Messe mit dem Heiligen Vater werden 800.000 junge Christen erwartet. Die Naturschützer, die sich unter anderem wegen der in der Heide lebenden seltenen Tierarten wie der Kreuzkröte gegen die Massenveranstaltung ausgesprochen hatten und bis vor Gericht gezogen waren, begrüßten die Entscheidung.

Der enge Zeitplan erlaube „keine weitere Verzögerung“, begründeten der Generalsekretär des XX. Weltjugendtages, Heiner Koch, sowie der Geschäftsführer der Weltjugendtag gGmbH, Hermann-Josef Johanns, den Rückzug. Gestern hatte das Kölner Verwaltungsgericht eine Entscheidung über die Untersuchung der nahe dem Flugplatz Hangelar gelegenen Heide auf Kampfmittelreste aus dem Zweiten Weltkrieg auf nächste Woche vertagt. Gegen die Untersuchung, ohne die der Weltjugendtag nicht in der Heide stattfinden kann, hatte der BUND geklagt, weil er irreparable Schäden befürchtete (taz berichtete).

„Wir können nicht abschätzen, welche weiteren juristischen und finanziellen Hürden uns künftig auf dem Gelände von Sankt Augustin-Hangelar erwarten“, so Koch und Johanns. Deshalb bleibe nichts anderes übrig, als „den Neuanfang an anderem Ort“ zu suchen. Ein neuer Standort werde frühestens im September gefunden sein. Welche Orte in Frage kommen, ist unklar. Der Weltjugendtag wollte sich dazu vorerst nicht näher äußern.

Koch und Johanns erhoben schwere Vorwürfe gegen den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Vor allem dessen „einseitige Position“ habe die Veranstaltung unmöglich gemacht. Der BUND habe „erkennbar eigene Interessen in den Vordergrund gestellt“, kritisierte auch der Kölner Regierungspräsident Jürgen Roters.

Der BUND wies diese Vorwürfe zurück. „Wir sind nicht Schuld, dass das gescheitert ist“, sagte Achim Baumgartner vom BUND Rhein-Sieg der taz. Der Weltjugendtag habe zahlreiche Fehler gemacht und etwa mangelhafte Antragsunterlagen eingereicht. Jetzt wolle er wohl den BUND zum Sündenbock machen. Dabei habe seine Organisation lediglich die vorgesehenen rechtsstaatlichen Verfahren genutzt und auf die Gefahren aufmerksam gemacht, die der Heide durch die Massenveranstaltung drohen würden – und das zusammen mit vielen anderen Naturschutzverbänden, wie Baumgartner betont. Er will sich jetzt dafür einsetzen, dass in der Heide künftig gar nicht mehr gebaut werden darf.


Autor: Dirk Eckert