Naturschützer lassen sich nicht nass machen

Der BUND droht mit Klage, sollte der Weltjugendtag in der Hangelarer Heide genehmigt und damit Naturschutzbestimmungen außer Kraft gesetzt werden. Dass Hangelar sich für den Papstbesuch besser eigne als Bornheim, sei "grobe Manipulation"

taz köln, 30.06.2004, S. 1

taz köln

Mit scharfer Kritik hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) auf die Aussage des Weltjugendtages reagiert, wonach die im Rechtsrheinischen bei Sankt Augustin gelegene Hangelarer Heide der beste Platz für die Abschlussfeier sein soll, zu der am 20. und 21. August 2005 der Papst und mehr als 800.000 junge Christen erwartet werden.

Der BUND, der als Alternative ein Gelände im Linksrheinischen bei Bornheim-Sechtem vorgeschlagen hatte, warf dem Weltjugendtag „grobe Manipulationen“ vor: „Die Weltjugendtag gGmbH verlässt den Boden der Seriosität.“ So werde dem Naturschutz in dem Vergleich möglicher Standorte, den der Weltjugendtag erstellt hat, ein zu geringer Stellenwert beigemessen. „Wenn bei einer Gewichtung von 10 bis 200 dem Naturschutz nur der Faktor 30 – Kosten haben den Faktor 40 – zugebilligt wird, kann von einer ,Bewahrung der Schöpfung‘ als kirchlichem Anliegen keine Rede mehr sein“, kritisierte Achim Baumgartner vom BUND Rhein-Sieg.

Besonders stößt ihm auf, dass Bornheim und Hangelar in der Kategorie „Naturschutzzonen“ gleich bewertet sind. In Sankt Augustin-Hangelar seien, anders als in Bornheim, etwa 40 Hektar Halbtrockenrasen geschützt, außerdem gäbe es Biotope, die nach Paragraph 62 Landschaftsgesetz geschützt seien. „Unglaubwürdig“ sei zudem die Bewertung der Größe des Areals, bei der Sankt Augustin um 400 Punkte besser abschneide. Im linksrheinischen Bornheim-Sechtem stünden viel größere Raumreserven inklusive Ausweichflächen zur Verfügung. Schließlich werde die Befahr- und Begehbarkeit der Hangelarer Heide „übertrieben“. Auf dem lehmigen Boden, genau dort, wo ein Bühnenhügel errichtet werden soll, würden Schafe im Winter regelmäßig im Schlamm versinken. Hat der BUND hier Recht, könnte beim Weltjugendtag echtes Woodstock-Flair aufkommen. Der Weltjugendtag allerdings sieht diese Gefahr eher bei dem schweren Ackerboden in Bornheim-Sechtem.

Auch in der Frage der Verkehrsanbindung werde Bornheim nach BUND-Auffassung völlig unterbewertet. So ignoriere der Weltjugendtag die direkte Verbindung zu den Hauptbahnhöfen in Köln und Bonn. „Dass Bornheim trotz besserer Autobahninfrastruktur nur die halbe Punktzahl erhält, kann nur als Manipulation gelesen werden.“

Gefahr drohe der Hangelarer Heide auch durch die geplante Kampfmittelräumung. Um die Weltjugendtagsbesucher nicht zu gefährden, sollen alle Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg beseitigt werden. Der neben dem für den Weltjugendtag anvisierten Gelände liegende Flughafen Hangelar wurde im Zweiten Weltkrieg von der Luftwaffe genutzt und dementsprechend von den Alliierten bombardiert. Laut Baumgartner würde eine Räumung die Rasennarbe zerstören. „Es kann 30 Jahre dauern, bis es wieder richtig grün ist“, schätzt er. „Ohne den Weltjugendtag müsste gar nicht geräumt werden.“

Weltjugendtagssprecher Matthias Kopp wies gegenüber der taz die Vorwürfe des BUND zurück. So sei Hangelar beispielsweise mit seiner ICE-Anbindung zum Frankfurter Flughafen verkehrsgünstiger gelegen. Um dem Naturschutz Genüge zu tun, habe der Weltjugendtag zudem Ausgleichsflächen angeboten.

Der BUND kündigte an, auf jeden Fall Widerspruch dagegen einzulegen, dass Naturschutzbestimmungen für den Weltjugendtag außer Kraft gesetzt werden. Sollte sich die Untere Landschaftsbehörde darüber hinwegsetzen und den Weltjugendtag genehmigen, will der BUND dagegen vor dem Verwaltungsgericht Köln klagen.


Autor: Dirk Eckert