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Archäologische Schätze aus dem Rheinland

taz köln, 09.01.2004, S. 4

Rezension taz köln

Immer wenn im Rheinland archäologische Funde gemacht werden, ist das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege gefragt. Die beim Landschaftsverband Rheinland angesiedelte Behörde veröffentlicht die wichtigsten Funde und Grabungen dann in einem Jahrbuch. Der Band für das Jahr 2002 ist jetzt erschienen und bietet den Leserinnen und Lesern einen guten Eindruck über die Tätigkeit der Archäologen.

Fast hundert Funde haben die Archäologen zusammengetragen. Herausgekommen ist eine bunte und deswegen interessante Mischung, die von Funden aus der Altsteinzeit über viele Ausgrabungen aus der Römerzeit bis zu einem Feuerzeug der Marke Dunhill Tinder Lighter reichen, das vermutlich ein amerikanischer Soldat im Zweiten Weltkrieg bei Elsdorf im Erftkreis verloren hat.

Einen besonderen Fund machten die Archäologen im Braunkohlerevier Inden. In einer villa rustica, einem römischen Landgut, wurde eine antike Theatermaske gefunden, die auch das Cover des Jahrbuches ziert. Die zur Hälfte erhaltene Terrakottamaske wurde in der Gegend des heutigen Rudolfplatzes in Köln hergestellt, einem bedeutenden Töpfereizentrum im 1. und 2. Jahrhundert. Auf diese Weise hat es übrigens auch ein Kölner Produkt in den Band geschafft, obwohl Köln in dem Jahrbuch nicht vorkommt, da es seine eigene Bodendenkmalpflege hat und somit archäologisch-verwaltungstechnisch nicht zum Rheinland gehört.

„Archäologie im Rheinland 2002“ ist ein ansprechend gestaltetes Buch, zumindest was die übersichtliche Aufmachung mit Farbfotos, Karten und Ortsverzeichnis betrifft. Von den Texten lässt sich das leider nicht so ohne weiteres sagen, denn nicht selten sind die Beiträge einfache Tätigkeitsberichte von Wissenschaftlern, die Rechenschaft über ihre jeweilige Ausgrabungs- und Forschungsarbeit ablegen.

Und so liest sich das dann auch: Der Aufbau einer archäologischen Datenbank zum Beispiel wird in allen bürokratischen Details beschrieben, von der Einrichtung der Arbeitsgruppe 1995/96 über die technische Umsetzung bis hin zu der Information, dass nun die Mitarbeiter „nach der Mitbestimmung durch den Personalrat die neuen Möglichkeiten nutzen“ können.

Dem eigenen Anspruch, ein populärwissenschaftliches Jahrbuch herauszubringen, wird das Amt für Bodendenkmalpflege so nicht gerecht. Texte dieser Machart sind nicht für ein interessiertes Publikum, sondern für den Vorgesetzten geschrieben. Auf diese Weise hat das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege in seinem Jahrbuch leider viele gute Möglichkeiten verschenkt, Archäologie einem breiteren Publikum näher zu bringen.

Landschaftsverband Rheinland/Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege durch Harald Koschik (Hrsg.): Archäologie im Rheinland 2002, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2003, 25,90 Euro


Autor: Dirk Eckert