Ausbau der defensiven Biowaffenforschung

Die Bundeswehr setzt auch Gentechnik ein

Telepolis, 10.04.2002, http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/12271/1.html

Telepolis

Die Bundeswehr ist heiß begehrt, wenn es um Aufspüren und Abwehr von Biologischen Waffen geht. Ihr ABC-Spürpanzer Fuchs zählt zum Besten, was Militärs weltweit zur Verfügung steht. Im Rahmen der „Allianz gegen den Terror“ sind solche Spürpanzer inzwischen auch in Kuwait stationiert.

Jetzt mehren sich die Anzeichen, dass die Bundeswehr ihren Marktwert weiter steigern und ihre Kapazitäten im Bereich der Biologischen Waffen ausbauen will ([1]Hinter der Mauer des Schweigens). Das machte jetzt das [2]Sunshine Project bekannt, eine deutsch-amerikanische Vereinigung kritischer Naturwissenschaftler um den Hamburger Zellbiologen Jan van Aken. Demnach soll die Zahl der Wissenschaftler und Techniker im mikrobiologischen Labor der Sanitätsakademie in diesem Jahr verdreifacht werden. Das habe Christoph Veith, Referatsleiter im Verteidigungsministerium, auf einer Fachtagung am 12. März in Frankfurt bekannt gegeben.

Aus einem Schreiben des Staatssekretärs im Verteidigungsministerium Walter Kolbow an den Verteidigungsausschuss des Bundestages vom 22. März, das dem Sunshine Project [3]vorliege, gehe außerdem hervor, dass die Bundeswehr auch in insgesamt 24 Projekten Gentechnik einsetzt. 16 befassen sich mit B-Waffen-Schutzforschung, die restlichen 8 u.a. mit Chemiewaffen und Strahlenschäden.

Eines der Gentechnik-Projekte ist das Hasenpestprojekt, das bereits vor anderthalb Jahren für Schlagzeilen gesorgt hatte. Die Bundeswehr will offenbar weiter an dem Projekt festhalten, bei dem Bakterien gentechnisch gegen Antibiotika resistent gemacht werden. Bedauerlich, findet Jan van Aken. Leider habe sich das Vereidigungsministerium „immer noch nicht zur Vernichtung dieser umstrittenen Bakterien entschließen können“.

Zwar sei es nur Grundlagenforschung, und „eine offensive Absicht der Bundeswehr kann sicherlich ausgeschlossen werden“. Aber: „Es bleibt als Faktum bestehen, dass durch diesen gentechnischen Eingriff die Erreger noch gefährlicher, noch waffentauglicher gemacht wurden, da sie nicht mehr mit den entsprechenden Antibiotika behandelt werden können“, sagt Jan van Aken. Nicht ausschließen will er aber, dass die Bakterien im vergangenen Jahr nur gelagert worden seien. „Im Berichtszeitraum erfolgte eine Kultivierung und Lagerung der gentechnisch veränderten Organismen“, heiße es im Schreiben von Staatsekretär Kolbow.

Kritisch sieht van Aken auch die fünf Impfstoffprojekte. Derzeit werden Impfstoffe gegen Milzbrand, Pocken, Botulinum, Q-Fieber und Dengue-Fieber entwickelt. „Sie besitzen einen ausgeprägten dual-use-Charakter, denn sie dienen nicht nur dem Schutz vor Angriffen, sondern sind auch eine unabdingbare Voraussetzung für ein offensives Programm, und sie haben nur eine sehr begrenzte Effektivität.“

Die Projekte der Bundeswehr laufen weitgehend geheim ab. Mehr oder weniger bekannt sind bisher Ort und Durchführung der Projekte. Das Hasenpestprojekt etwa wird am Institut für Mikrobiologie der Sanitätsakademie der Bundeswehr durchgeführt. Die Bundeswehr habe aber auch zivile Auftragnehmer eingesetzt.

Einmal im Jahr muss das Verteidigungsministerium den Verteidigungsausschuss informieren, so schreibt es das Gentechnikgesetz vor. Für Jan van Aken geht das nicht weit genug: „Der beste Schutz vor Missbrauch ist Offenheit.“ Von der Bundeswehr fordert der Zellbiologe, das Hasenpestprojekt und die Entwicklung von Impfstoffen sofort einzustellen. „Wenn das Pakistan oder Irak machen würden, gäbe es im Westen sofort einen Aufschrei.“

Links

[1] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/11031/1.html
[2] http://www.sunshine-project.org/
[3] http://www.sunshine-project.de/infos/aktuelles/2002/02_04_02%20Gentechnik%20bei%20der%20Bundeswehr.html


Autor: Dirk Eckert