Kollaborateure an Pranger

Rom e.V. beklagt falsches Bild in der Öffentlichkeit. Dies führe immer wieder zu „offener rassistischer Hetze“

taz köln, 28.03.2002, Nr. 93, S. 3

taz köln

Am „Internationalen Tag zur Überwindung des Rassismus“ beklagte die Kölner Initiative Rom e.V. „Diffamierung und Kriminalisierung“ von Roma und Sinti durch Presse und Politik in Köln. Nach wie vor würden Klischees, etwa über die „Nichtsesshaftigkeit“ der Roma und Sinti, verbreitet, sagte Doris Schmitz vom Rom e.V. auf einer Veranstaltung in der Alten Feuerwache. So würden sie häufiger als andere Bürger mit Kriminalität in Verbindung gebracht: „Da wird ein Bild in der Öffentlichkeit platziert, das jeden Bürger erschüttern muss.“

Die Presse übernehme oft ungeprüft Polizei- und Stadtverwaltungsberichte, kritisierte sie. Das Schema sei immer das gleiche: Erst nach Protesten etwa von Rom e.V. ließe die „offene rassistische Hetze“ nach. Später gehe alles von vorne los. Ziel solcher „Stimmungsmache“ sei es, die Bevölkerung von den Roma und Sinti zu entsolidarisieren.

Auch deshalb komme es nicht zu Protesten, wenn Flüchtlinge in Kalk in einem Containerlager untergebracht würden. Kurt Holl von Rom e.V. schlug vor, jetzt „die Kollaborateure an den Pranger“ zu stellen und Druck auzuüben. Um das Kalker Lager betreiben zu können, brauche die Stadt Gehilfen, etwa Firmen, die das Essen liefern. Für weitere Aktionen lädt Rom e.V. deshalb jeden Dienstag, 18 Uhr, ins Allerweltshaus ein.

Eine Pressemitteilung der Stadt von Anfang März zum Tod eines Flüchtlingskindes (taz berichtete) hält Doris Schmitz für ein „Alarmzeichen“. Darin seien Roma und Sinti „auf unglaubliche Art und Weise diffamiert und beleidigt worden“.


Autor: DIRK ECKERT