Peaceniks machen mobil

Totgesagte leben länger: Die Kölner Friedensbewegung taucht aus der Versenkung auf. Sie kämpft gegen "Vergeltungsschlag und Einsatz der Bundeswehr". Auch die Grünen wollen wieder dabei sein

taz köln, 27.09.2001, Nr. 70, S. 1

taz köln

„Die Rufe nach Rache und Vergeltung sind eindeutig in der Minderheit“, berichtet Ursula Forner. Die Rentnerin aus Kerpen, seit Beginn der Nachrüstungsdebatte in den 80-er Jahren in der Friedensbewegung aktiv, engagiert sich jetzt auch beim „Kölner Aktionsbündnis gegen Krieg und Rassismus“, das kurz nach dem Terror-Anschlag auf die USA gegründet wurde. Die Mahnwache des Bündnisses vor dem Dom sammelt dort täglich Unterschriften „Gegen einen Vergeltungsschlag und einen Einsatz der Bundeswehr“.

Auch Forner ist dabei: „Über 1.000 haben wir schon bekommen und an den Bundeskanzler geschickt.“ Für Freitag, den 28. September, ruft das Bündnis unter dem Motto „Gegen Krieg und Rassismus“ zu Kundgebung und Demonstration auf. Es beginnt um 17 Uhr auf der Domplatte. Dem Bündnis gehören unter anderem „Pax an“, Pax Christi, DFG/VK, VVN und attac an. Grüne und PDS unterstützen die Demonstration.

„Für die Freiheit, für den Frieden, gegen den Krieg“ – unter diesem Motto hatte schon am vergangenen Samstag die erste Kölner Demonstration gegen den drohenden Krieg gegen Afghanistan stattgefunden.

Knapp dreihundert Menschen waren auf den Offenbachplatz gekommen, um von dort zum Dom zu ziehen. Ein Redner befürchtete, dass nun Ausländer in Deutschland unter Generalverdacht genommen werden – eine Befürchtung, die viele der anwesenden MigrantInnen teilten: „Ist jeder Afghane ein Terrorist?“

Einen schwierigen Auftritt hatten die Grünen. „Dass Ihr euch überhaupt noch auf die Straße traut“, meinte eine Frau vor Demobeginn zum Parteiaktivisten hinter dem Infotisch. „Die Glaubwürdigkeit leidet sehr“, räumte dieser ein und widersprach nicht weiter. Doch Volker Beck, Kölns grüner Bundestagsabgeordneter, machte – zunächst von Pfiffen und Buh-Rufen begrüßt – mit seiner Rede Boden gut. Hatte er in Berlin noch für die „Bereitstellung geeigneter militärischer Fähigkeiten“ zur Terrorismusbekämpfung gestimmt, forderte er jetzt, mit „Besonnenheit“ auf den Terror zu reagieren. Da vermied selbst PDS-Ratsherr Jörg Detjen direkte Kritik an den Grünen.


Autor: Dirk Eckert / Erich Huppertz