Fackeln in Longerich

Gegen rechte Demo ruft die Antifa zum Protest auf

taz köln, 20.09.2001, Nr. 69, S. 1

taz köln

Wieder macht die rechtsextreme „Bürgerbewegung pro Köln“ gegen den geplanten Straßenstrich im Kölner Stadtteil Longerich mobil. Am heutigen Donnerstag will „pro Köln“ eine „Lichterkette gegen den Drogenstrich“ im Kölner Norden veranstalten und mit Fackeln ein „Zeichen des Protestes gegen diese menschenfeindliche Einrichtung der Stadt Köln“ setzen.

Die Rechtsextremisten wollten „in militaristischer Tradition ihre braune Hetze“ loswerden, so die Kölner Antifa K in einer Stellungnahme. Die Antifa will den Fackelmarsch der Vereinigung um den Nazi-Funktionär Manfred Rouhs verhindern und ruft deshalb die KölnerInnen dazu auf, sich dem „brauen Mob“ entgegenzustellen.

„Rassismus. Faschismus. Bekämpfen! Fackelaufmarsch löschen!“, so das Motto der Antifa K. Schon einmal hatte „pro Köln“ versucht, die Verlegung des Straßenstrichs aus der Kölner Innenstadt nach Longerich für die eigenen politischen Zwecke zu nutzen. Zu einer Kundgebung am 19. Juli in Longerich seien aber vor allem Kader militanter Neo-Nazi-Kameradschaften erschienen, so die Antifa K. Die „breite Basis in der Kölner Bevölkerung“, von der „pro Köln“ spreche, existiere nicht.

Die Antifa K warnt davor, dass „pro Köln“ sich „den Anstrich einer biederen, konservativen Bürgerbewegung“ gebe. Jetzt nutze sie „die rassistische Stimmung, die in Köln zur Zeit massiv durch etablierte Parteien wie CDU, SPD und FDP und die Medien geschürt wird“.

Vor den Fackelmarsch will „pro Köln“ einen „Appell für den Frieden“ setzen. Die Anschläge auf Washington und New York bezeichnet der rechte Verein auf seiner Homepage als Scheitern der „Vereinheitlichung der Welt im Namen des westeuropäisch-amerikanischen Lebensstils“. Gleichzeitig fordert „pro Köln“ das „Recht auf Wahrung deutscher Identität im eigenen Land“ und befürchtet eine „Islamisierung Deutschlands“.


Autor: Dirk Eckert