Sonderangebot für NATO

Bonner Kongress zur Sicherheit im Internet

taz köln, 17.05.2001, Nr. 53, S. 4

taz köln

Ganz im Zeichen der Sicherheit im Internet stand der diesjährige IT-Sicherheitskongress des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Rund 600 TeilnehmerInnen aus Verwaltung, Wirtschaft und Militär trafen sich in Bonn-Bad Godesberg, um sich ab Montag drei Tage lang über Viren, Verschlüsselung und elektronische Unterschriften zu informieren.

Zur Eröffnung betonte Claus Henning Schapper, Staatssekretär im Bundesinnenministerium, die Notwendigkeit, im „IT-Krisenfall“ – etwa bei auftretenden Viren – schnell reagieren zu können. Geplant sei ein Notfallzentrum. Finanzielle Sorgen hat Dirk Henze, der Präsident des Amtes, dabei keine: Mit 70 Millionen Mark habe das BSI sogar einen „moderaten Zuwachs“ an Geldern verzeichnen können.

Winfried Hassemer, Richter am Bundesverfassungsgericht, stellte fest, das Konzept der Privatheit werde heute als „ein Konzept von vorgestern“ angesehen. Stattdessen gebe es ein stärkeres Bedürfnis nach Sicherheit. Entsprechende staatliche Eingriffe wie der Aufbau einer Gen-Datenbank würden hingenommen, ja sogar gefordert. So würde der Staat nicht mehr als „Leviathan“ wahrgenommen, sondern als Partner, befand der ehemalige hessische Datenschutzbeauftragte. Deshalb verliere der Staat in der Informationsgesellschaft nicht an Bedeutung, da er zwar Aufgaben an die Industrie abtrete, aber auch neue dazugewinne.

Die Industrie war mit 23 Ausstellern ebenfalls vertreten. Von Verschlüsselungssoftware bis zur „Bedrohungsanalyse“ und Maßnahmen zum Schutz kritischer Infrastruktur reichte das Angebot. Nur an den kleinen Kundenkreis der anwesenden NATO-Vertreter richtete sich die Verschlüsselungssoftware der Marke „Tempest“: Die fällt unter das Kriegswaffenkontrollgesetz und darf nur bei der NATO verwendet werden. Kein Problem für den Hersteller: Mit der Osterweiterung des Militärbündnisses öffnet sich in Osteuropa ein neuer Markt.


Autor: Dirk Eckert