Wüstenkrieger Powell

Amerikanische Karriere

Sozialistische Zeitung - SoZ, 21.12.2000, Nr. 26, S. 2

Kommentar Sozialistische Zeitung - SoZ

Mit Colin Powell wird erstmals ein Afroamerikaner das Amt des Außenministers der USA bekleiden. Die Nominierung des ehemaligen Generals, der schon unter George Bush sr. diente und die USA im Golfkrieg gegen den Irak zum Sieg führte, galt zwar schon lange als sicher und überraschte die politischen Beobachter kaum. Trotzdem hat der designierte Präsident George W. Bush nichts unversucht gelassen, um mit der Berufung von Powell bei der schwarzen Bevölkerung die Akzeptanz zu erlangen, die er bei den Wahlen nicht bekommen hat. So hob Bush den sozialen Aufstieg Powells vom Gärtnersohn aus der New Yorker South Bronx zum Generalstabschef und nun zum Außenminister hervor. Powell zeigte sich seinerseits gerührt, als erster Afroamerikaner das Amt des Außenministers bekleiden zu dürfen. Außerdem rühmte Bush den ehemaligen General als amerikanischen Helden. Sein Konzept im Golfkrieg war einfach und wurde als Powell-Doktrin bekannt: Militär wird nur als letztes Mittel eingesetzt, nur wenn das Ziel klar ist und wenn die eigene Überlegenheit und der Rückzug gesichert sind. Damit passt Powell gut zum neuen Präsidenten Bush, der im Gegensatz zu Al Gore nicht als „Interventionist“ gilt, was übersetzt heißt, dass Bush die Armee „nur“ einsetzen will, wenn harte amerikanische Interessen auf dem Spiel stehen. Wie etwa im Golfkrieg das Öl.

Allerdings sind Unterschiede zu Bush und dessen designierten Vizepräsidenten Dick Cheney unübersehbar. So hat sich Powell kritisch zur inzwischen revidierten Schurkenstaatdoktrin geäußert. Er sehe keinen Sinn darin, völlig verschiedene Länder in einen Topf zu werfen und als Schurken abzuqualifizieren. Mit dem damaligen Verteidigungsminister Dick Cheney soll sich Powell im Golfkrieg angelegt haben, weil er amerikanische Truppen erst einsetzen wollte, wenn Saudi-Arabien bedroht würde. „Das amerikanische Volk will nicht seine jungen Männer für 1,50 Dollar die Gallone sterben sehen“, soll er gesagt haben. Das wird ihm von den Hardlinern in Verbindung mit der Powell-Doktrin als zu zurückhaltend und als Zeichen von Schwäche ausgelegt. Deswegen muss der Wüstenkrieger nun den starken Mann abgeben. „Wir werden unsere Interessen aus einer Position der Stärke verteidigen“, hat er sich bei seiner Nominierung schon mal warm geredet. Außerdem kündigte er an, gegen den Irak einen härteren Kurs anzuschlagen.

Powell wird gelegentlich gar als „widerwilliger Krieger“ bezeichnet. Doch letztlich ist er Soldat, und so ist sicher: Wenn der Krieg erst mal beschlossene Sache ist, dann setzt sich einer wie Powell dafür ein, dass er auch richtig geführt und gewonnen wird. Wie im Kosovo-Krieg, als er die Clinton-Regierung kritisierte, weil sie auf die Drohung verzichtete, Bodentruppen einzusetzen. Oder im Golfkrieg: Da hatten die amerikanischen Truppen kaum Verluste zu verzeichnen. Dafür waren sie auf irakischer Seite mit über 100000 Toten um so größer. Mit dieser Tat wurde der Aufsteiger aus der Bronx zum Helden.


Autor: Dirk Eckert