Rechtspublizist Klaus Rainer Röhl wäscht sich rein

taz köln, 14.09.2000, Nr. 19, S. 8

taz köln

In der letzten Woche berichtete Marcus Termeer, taz-Redakteur in Münster, in der taz köln über einen geplanten Auftritt des rechten Kölner Publizisten Klaus Rainer Röhl bei einem Vertriebenen-Treffen in Münster. Röhl war nach Protesten in Münster, unter anderem von der dortigen FDP-Faktionschefin Carola Möllemann-Appelhoff, wieder ausgeladen worden.

Inzwischen hat sich Röhl in der „Welt am Sonntag“ vom 10. September unter dem Titel „Wie ich in Schilda zu einem Skandalon wurde“ selbst zu Wort gemeldet. Der Text in der Rubrik „Moment mal“ lässt – wie so oft bei dieser Kolumne, die öfters auch von CSU-Rechtsaußen Peter Gauweiler genutzt wird – nichts an Deutlichkeit und Bissigkeit zu wünschen übrig. Röhl wittert eine „richtig schöne altkommunistische Kampagne“, die sich in Wirklichkeit gegen die Vertriebenen richte.

Von wem wurde die Kampagne inszeniert? Von einer kleinen Gruppe von „Restkommunisten, seit Jahren vom Verfassungsschutz überwacht“. Für Röhl sind es „sozusagen Fußkranke des Langen Marsches, die selbst unter Rot-Grün nichts geworden sind“. Darum seien sie „von Beruf ‚Antifaschisten'“.

Die FDP, deren Mitglied er selber ist, erwähnt Röhl dabei mit keinem Wort. Auch Möllemann-Appelhoff, die es als „unerträglich“ bezeichnet hatte, dass mit Röhl ein „Publizist der neuen Rechten“ auftrete, kommt nicht vor. Stattdessen zieht Röhl über die Münsteraner SPD und deren Fraktionschef „Udo R.“ – der Mann heißt Udo Reiter – her.

„Udo“ habe sich in einen „wahren Antifa-Rausch“ hineingesteigert, so Röhls Diagnose. Vielleicht meine Reiter gar nicht ihn, Röhl, sondern den eigenen Parteivorsitzenden, den „Kanzler des Ausgleichs“, der sich fast zeitgleich in Berlin um Versöhnung mit den Vertriebenen bemühe.

Wenn Röhl zu einigen Vorwürfen Stellung bezieht, kommt wenig Neues zu Tage: Mit dem Holocaust-Leugner Irving sei er nie aufgetreten. Dass er ein „Aushängeschild der Ultrarechten“ sei? Nein, sei er nicht, das sei Horst Mahler, den er in der Welt am Sonntag deswegen angegriffen habe. Das hat er tatsächlich gemacht – und dabei die Gelegenheit genutzt, sich als Kämpfer gegen die Extreme darzustellen. Im Gegensatz zu Mahler, der von ganz links nach ganz rechts gewechselt sei.

Auch in der „Jungen Freiheit“ habe er nie publiziert. Dabei bezeichnet er die „Junge Freiheit“ verharmlosend als „konservativ“. Insgesamt, so Röhl, hätten seine „Gegner“ beim „Surfen im Internet“ wohl einiges durcheinandergeworfen.


Autor: Dirk Eckert