Wenig Hoffnung

Diskussion mit amnesty international in der VHS

taz köln, 20.07.2000, Nr. 11, S. 4

taz köln

Sind im Iran politische Reformen möglich? Die Antwort von Kazem Hashemi, Publizist aus Saarbrücken, war ernüchternd: Unter dem gegenwärtigen System könne es keine grundlegende Verbesserung der Menschenrechtslage im Iran geben.

Anlässlich des Besuchs von lrans Präsident Chatami hatte amnesty international zu einer Diskussion in die Volkshochschule eingeladen. Rund 60 ZuhörerInnen folgten den Ausführungen Hashemis und der Journalistin Nasrin Bassiri. Bei der Einschätzung des Staatsbesuchs waren sie uneins. Bassiri bewertete ihn positiv, da eine Diskussion in Gang gekommen sei. Für Hashemi war klar: „Chatami will das System beibehalten“.

Die Verfassung mache einen Rechtsstaat unmöglich. Die Sicherheitskräfte etwa unterstünden der religiösen Führung. Auch die Justiz werde von dieser als „politisches Instrument“ eingesetzt. Nicht einmal die bestehenden Gesetze würden im Iran eingehalten. Und die sind oft frauenfeindlich, erklärte Bassiri.

Frauen im Iran führten heute, so Bassin, ein Doppelleben: Zu Hause unverschleiert und in westlicher Kleidung, in der Öffentlichkeit verschleiert. Seit der islamischen Revolution sei das gesetzliche Heiratsalter für Frauen von 18 auf 9 Jahre gesenkt worden. Doch die gesellschaftliche Entwicklung verlaufe umgekehrt. Die meisten Frauen heirateten immer später, meist erst mit 21 Jahren. Mehr als die Hälfte aller StudentInnen seien heute Frauen.

Ein Zuhörer merkte an, dass nicht die Reformer den Frauen Rechte gewährten, sondern die Frauen sie sich selbst erkämpft hätten. Nach der islamischen Revolution habe es Demonstrationen von unverschleierten Frauen gegeben. „Da war ich auch dabei“, rief Bassiri. Letztlich hat sie das Land dann doch verlassen.


Autor: Dirk Eckert