Viel Gebühren, viel Protest

Aktionsbündnis erwartet 5.000 StudentInnen zur Demonstration in Köln. Auch in Berlin und Stuttgart gibt's Proteste. Dabei sind Gäste aus Mexiko

taz köln, 25.05.2000, Nr. 4, S. 4

taz köln

Die Kölner Hochschulen bereiten sich auf die größte Demonstration seit Jahren vor: 5.000 StudentInnen werden am 7. Juni auf dem Neumarkt zum Protest gegen die Einführung von Studiengebühren erwartet. Zeitgleich soll in Berlin und Stuttgart demonstriert werden. Mit insgesamt 20.000 DemonstrantInnen rechnet Olaf Bartz, Geschäftsführer des „Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren“ (ABS).

„Studiengebührenfreiheit ohne wenn und aber!“ fordert auch Volker Elste. Er studiert Geschichte und ist Mitglied der Kölner Vorbereitungsgruppe. Ein generelles Verbot von Studiengebühren müsse ins Hochschulrahmengesetz, erklärt er. Auch alle Arten von Sonder- und Ausnahmeregelungen müssten ausgeschlossen sein. Sonst könnten Gebühren beispielsweise für ein Zweitstudium eingeführt werden. Schon im Wintersemester hatte er für das Aktionsbündnis Unterschriften gegen Studiengebühren gesammelt. Bundesweit kamen rund 110.000 zusammen, Anfang des Jahres wurden sie Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) überreicht.

An der Demonstration in Köln werden auch zwei StudentInnen aus Mexiko teilnehmen. Sie kommen von der Universidad Nacional Autónoma de Méxica (UNAM), der größten Universität Lateinamerikas. Die beiden mexikanischen StudentInnen haben bereits Erfahrung im Kampf gegen Studiengebühren: Fast zehn Monate lang hielten sie ihre Universität besetzt, weil die Regierung Studiengebühren einführen wollte. Am 6. Mai stürmte die Polizei das Gelände und verhaftete tausend StudentInnen. Am Abend vor der ABS-Demonstration berichten die MexikanerInnen im British Council über den Streik an der UNAM.


Autor: Dirk Eckert