energiewirtschaft

Ein großes Fressen

taz köln, 08.06.2005, S. 1

Kommentar taz köln

Die Rheinenergie wächst und wächst. Der Kölner Energieversorger ist von Bonn bis Dormagen, von Erftstadt bis Gummersbach dick im Geschäft, kürzlich hat er sich sogar 20 Prozent der Stadtwerke Düsseldorf gesichert. Zu 100 Prozent gehören der Rheinenergie schon die Bergischen Licht- und Wasserkraftwerke, zu 50 Prozent die Energieversorgung Leverkusen.

Der neuste Coup sind die Stadtwerke Troisdorf: Die gehen in 100-prozentigen Besitz über, zudem bekommt die Kölner Rheinenergie Troisdorfer Anteile an der Energie- und Wasserversorgung Bonn. Offiziell wird bei dem Geschäft von „engerer Kooperation“ gesprochen – eine Beschönigung sondergleichen. De facto schluckt die Rheinenergie einen kleinen regionalen Betreiber, bei dem es sich allerdings um ein ausgesprochenes Filetstück handelt.

Was man bei dem Kölner Gas-, Wasser- und Stromversorger nicht an die große Glocke hängt: Es geht natürlich nicht nur darum, den heimischen Markt gegen Konkurrenten zu verteidigen. Sondern auch darum, fremde Märkte zu erobern. Dass die Rheinenergie über mögliche Expansions-, Pardon: Kooperationspläne nicht so gerne spricht, heißt nicht, dass es diese nicht gibt. Man darf gespannt sein, wohin das die Rheinenergie noch führt. Zwar wird von Unternehmensseite beteuert, dass der Name Programm sei und man nichts anderes als ein Energieversorger für die „rheinische Region“ sein wolle. Aber der Rhein ist bekanntlich lang.

Ob das Unternehmen auf dem liberalisierten Energiemarkt letztlich andere kleine Fische frisst oder aber selbst gefressen wird, ist offen. Sicher ist hingegen, dass der freie Energiemarkt, den die Europäische Union bis 2007 durchsetzen will, schon heute zu mehr Konzentration in der Energiewirtschaft, ja sogar zu einem regionalen Monopol führt anstatt zu freiem Wettbewerb verschiedener Anbieter. Ganz anders als die neoliberalen Ideologen immer versprechen.


Autor: DIRK ECKERT