„Aktion Wintercheck“ kein Strohfeuer

Der Polizeipräsident stellt die Kriminalstatistik 2004 vor. Taschendiebstahl und Einbrüche gehen erstmals seit Jahren zurück. Für Steffenhagen ist das auch ein Erfolg des umstrittenen "Wintercheck", bei dem massenhaft Kölner kontrolliert werden

taz köln, 04.03.2005, S. 1

taz köln

Als der Kölner Polizeipräsident zur Vorstellung der neuen Polizeilichen Kriminalstatistik schritt, war ihm die Zufriedenheit anzusehen. Bei Taschendiebstählen wie auch bei Wohnungseinbrüchen konnte Steffenhagen gestern sinkende Zahlen präsentieren.

Taschendiebstähle, deren Zahl zehn Jahre lang ununterbrochen anstieg, gingen 2004 laut Kriminalstatistik um 1,37 Prozent zurück. Es sei gelungen, „den Trend zu stoppen und in das Gegenteil zu wenden“, bilanzierte Steffenhagen nicht ohne Stolz. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging sogar um 9,57 Prozent zurück.

Zufrieden zeigte sich Steffenhagen auch mit der umstrittenen „Aktion Wintercheck“, mit der die Polizei Köln zur sichersten Großstadt machen will. „Wintercheck war erfolgreich“, sagte er. Die Polizeiaktion hätte sich keineswegs, wie von „nicht umfassend informierten“ Menschen kritisiert worden sei, in Massenkontrollen wie in der U-Bahn erschöpft, sondern sich auch gegen Bandenkriminalität gerichtet. Es seien nicht nur die „einfachen Leute“ getroffen worden. Eine offizielle Bilanz will die Polizei nach dem Ende der Aktion am 19. März vorlegen.

Eine Fortsetzung wurde aber bereits gestern angekündigt: „Es war kein Strohfeuer,“ erklärte Steffenhagen. Als Schwerpunkte deutete der Polizeipräsident die Bekämpfung der KFZ-Kriminalität sowie Verbrechensaufklärung an. Der Diebstahl von Kraftfahrzeugen stieg von 2003 auf 2004 um 9,3 Prozent. Von allen Straftaten konnten 2004 nur 34,8 Prozent aufgeklärt werden. 2003 waren es noch 37,5 Prozent.

Doch nicht nur „Wintercheck“ hat nach Steffenhagen zum Rückgang der Taschendiebstähle beigetragen. Er lobte auch die Zusammenarbeit mit der „Clearingstelle“ der Stadt, die Sozialhilfebetrug nachgeht. Das neue Schulprojekt für Roma-Kinder, „Amaro Kher“, sei ein „bescheidener Anfang“; hier müsse „erheblich mehr“ getan werden. Auch Präventionsmaßnahmen, etwa in Form von Flyern, sowie die Ermittlungsarbeit der Polizei im Rahmen der Ermittlungskommission „Tasna“ hätten Wirkung gezeigt.

Nicht geholfen hat hingegen laut Polizei die Videoüberwachung. Immer noch seien Taschendiebstähle etwa am Neumarkt besonders häufig – trotz der Kameras. Videoüberwachung sei kein „Allheilmittel“, sagte Steffenhagen. Und er warnte vor zu hohen Erwartungen in 2005; schließlich würden im August mehr als eine Million Besucher zum Weltjugendtag erwartet. Das sei „für unsere Statistiken im Bereich Taschendiebstahl nicht unproblematisch“, stimmte er die Kölner gestern schon einmal auf wieder steigende Zahlen ein.


Autor: DIRK ECKERT