Shopping Mall lässt lokalen Einzelhandel erzittern

Die Betreiber des "Rhein-Center" in Weiden wollen das Einkaufszentrum um ein Drittel erweitern. Das ruft eine ungewohnte Koalition auf den Plan: IHK und Grüne fürchten um die Existenz des Einzelhandels im Kölner Westen. Die große Koalition im Stadtrat ist unsicher und wartet ein Gutachten ab

taz köln, 25.01.2005, S. 1

taz köln

Über zu wenig Nachfrage kann das Einkaufszentrum an der Aachener Straße in Weiden wohl nicht klagen. Geht es nach dem Betreiber, wird das „Rhein-Center“ bald um bis zu 11.000 Quadratmeter erweitert, was einen Zuwachs um mehr als ein Drittel bedeuten würde. Doch gegen die Erweiterung des Einkaufszentrums hat sich in Köln eine eher ungewöhnliche Koalition zusammengefunden. Einträchtig kämpfen Grüne und Kölner Industrie- und Handelskammer (IHK) für den lokalen Mittelstand in Weiden und den umliegenden Stadtteilen.

„Schon die letzte großflächige Erweiterung im Jahr 1995 war von großer Kritik begleitet“, erinnert der Lindenthaler Grüne Roland Schüler. „Deshalb wurde politisch beschlossen, keine Erweiterung mehr zuzulassen.“ Er warnt, davon abzurücken, andernfalls drohe die „Vernichtung des mittelständischen Einzelhandels“. Eine Buchhandelskette im Rhein-Center etwa wolle ihre Fläche von 400 auf 1.200 Quadratmeter erweitern. „Das ist eine direkte Konkurrenz für die mittelständischen Buchhandlungen in Weiden, Junkersdorf, Braunsfeld und Lindenthal.“

Aus dem gleichen Grund ist auch die IHK „bei Abwägung der Vor- und Nachteile“ gegen die Erweiterung. IHK-Geschäftsführer Detlev Sachse verweist zudem auf Kalk, wo rund 27.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche kurz vor der Fertigstellung stünden. „Die Stadt sollte erst abwarten, wie der Markt auf diese neuen Einkaufsflächen reagiert“, findet er. Auch der Kölner DGB-Vorsitzende Wolfgang Uellenberg-van Dawen mahnt, darauf zu achten, „dass durch großflächige Einzelhandelszentren nicht die kleinen Geschäfte völlig verschwinden“.

Die Stadt hingegen unterstützt die Erweiterungswünsche des Rhein-Centers. Ziel sei es, gegenüber den Standorten im Rhein-Erft-Kreis wettbewerbsfähig zu bleiben, heißt es in einer Beschlussvorlage für den Stadtentwicklungsausschuss des Kölner Stadtrats.

Die beiden Koalitionsparteien CDU und SPD haben sich noch nicht festgelegt und wollen erst neue Gutachten abwarten, die die Auswirkungen des Einkaufszentrums in Bezug auf Verkehr, Umwelt, Einkaufskraft und Konkurrenz untersuchen. „Ich hole erst Fakten ein, bevor ich mir eine Meinung bilde“, sagt Karl Jürgen Klipper (CDU). Eine Entscheidung werde dann im Sommer oder Herbst fallen. Für die SPD erklärt Alfred Schulz, seine Partei werde den Fall „sachgerecht“ prüfen, wolle aber „erst mal die Gutachten abwarten“. So erinnert nun ausgerechnet die IHK, die nach den Kommunalwahlen mit einem Plädoyer für „stabile Mehrheiten“ eine große Koalition herbeigewünscht hatte, Union und Sozialdemokraten an ihren Koalitionsvertrag. Dort sei schließlich vereinbart worden, „die Nahversorgung für die Bewohner der Stadtteile“ zu fördern.

An diesem Ziel solle auch festgehalten werden, bekräftigt Schulz gegenüber der taz. Deswegen müsse auch geprüft werden, ob die Erweiterung des Einkaufszentrums den mittelständischen Handel in der Umgebung beeinträchtigt.


Autor: DIRK ECKERT, ANDREAS WYPUTTA