Das Salz in der Geschichte

Eine Mischung aus Koch-, Reise- und Geschichtsbuch: Der US-Journalist Mark Kulansky hat über das Salz geschrieben

taz köln / taz nrw, 19.12.2002, Nr. 122, S. 7

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Seit dem Frühmittelalter wurde im nordrhein-westfälischen Soest Salz gewonnen. Ebenso in Werl und Bad Sassendorf, die beide nicht weit entfernt liegen. Längst haben Archäologen die alten Anlagen entdeckt – beziehungsweise das, was von ihnen übrig geblieben ist: Etwas Keramik hier, einige Reste von bleiernen Pfannen da. In solchen Gefäßen haben die mittelalterlichen Salzproduzenten die Sole verdampft. Der nicht weit davon entfernt verlaufende „Hellweg“ könnte seinen Namen von dem Handelsgut haben: „Hell“ bedeutet im Mittelhochdeutschen Salz.

Salz war bis in die Neuzeit hinein eines der kostbarsten Güter. Um Lebensmittel haltbar zu machen, war es unverzichtbar. Fleisch wurde mit Salz gepökelt, Weißkraut legten die Bauern mit Salz ein und hatten im Winter Sauerkraut. So sind die kleinen Salinen in NRW nicht die einzigen ihrer Art. Überall auf der Welt, zu allen Jahrhunderten, gingen die Menschen auf die Suche nach Salz. Sie verdunsteten die Sole in flachen Gewässern oder kochten sie in Pfannen aus. Mit Bohrern drangen sie in tiefere Schichten vor und errichteten die ersten Salzbergwerke.

In Indien gibt es sogar Strände, an denen das Meerwasser in der Sonne verdunstet und das Salz nur noch vom Boden aufgesammelt werden muss. Solche kurzweiligen Geschichten hat Mark Kurlansky zusammengetragen. „Salz. Der Stoff, der die Welt veränderte“ heißt das Buch des US-Journalisten, das neben viel historischem Hintergrund auch das eine oder andere Kochrezept beinhaltet.

Dabei hätte es dem Buch gut getan, wenn der Autor den Teil über die ersten Jahrtausende der Menschheitsgeschichte etwas gestrafft hätte. Doch wer eine Weile durchhält, wird im zweiten Teil belohnt. Dann geht es um die Bedeutung des Salzes als strategischer Rohstoff im amerikanischen Bürgerkrieg, um Handelsverbote und schließlich Gandhis Salzmarsch, der das von der Kolonialmacht Großbritannien auferlegte Verbot, Salz zu erzeugen, durchbrach. In den Industrieländern hatte Salz zu dieser Zeit seine Bedeutung längst verloren. Durch moderne Bergbautechnik ist Salz in Unmengen verfügbar. Den Rest besorgen Konserven und Kühltechnik, die Salz als Konservierungsmittel überflüssig machen.

Mark Kurlansky: „Salz. Der Stoff, der die Welt veränderte“, Claassen-Verlag, 23 Euro


Autor: Dirk Eckert