EIN, ZWEI, MEHRERE NATIONALPARKS...

Ran an die Interventionskräfte

taz köln / taz nrw, 21.02.2002, Nr. 88, S. 2

Kommentar taz köln taz nrw taz ruhr

Eine gute Nachricht für die Vogelwelt, für NaturschützerInnen, für Nordrhein-Westfalen: Der Truppenübungsplatz Vogelsang in der Nordeifel soll nach dem Abzug der belgischen Truppen 2006 in einen Nationalpark umgewandelt werden. Das Land Nordrhein-Westfalen erhält damit seinen ersten Nationalpark. Alle Parteien im nordrhein-westfälischen Landtag und die Eifel-Gemeinden freuen sich über das Refugium für bedrohte Arten in unberührter Natur. Und natürlich über Einkünfte aus dem Tourismus. Zumal sie das alles zum Nulltarif bekommen.

Selbst die Militärs freuen sich: Sie können in Zeiten knapper Kassen Geld sparen. Und der Verzicht auf Vogelsang tut den Militärs nicht einmal weh. Schließlich muss die Bundeswehr Kapazitäten abbauen. Umzingelt von Freunden, kann sie sich ganz auf die neue Kernkompetenz konzentrieren: Ordnung schaffen in den Krisenregionen der Welt.

Gefragt sind kleine, schlagkräftige Armeen – darin sind sich Militärs und PolitikerInnen einig. So hat es die NATO 1991 auf ihrem Gipfel in Rom beschlosse. Seitdem werden die Truppen der NATO-Mitgliedsstaaten auf „Krisenintervention“ getrimmt. Auch Deutschland hat dem Rechnung getragen und das Kommando Spezialkräfte und die Division Spezielle Operationen aufgestellt.

Friedenspolitisch ist deshalb die Umwandlung des Truppenübungsplatzes Vogelsang in einen Nationalpark wenig wert. Zwar ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Aber danach müssen weitere Truppenübungsplätze folgen. Vor allem solche, auf denen die Interventionskräfte der Bundeswehr trainieren, die Deutschlands Interessen in aller Welt sichern sollen.


Autor: DIRK ECKERT