Vermeidbarer Tod im Winkel

FahrradfahrerInnen müssen sterben, weil LKW keine ausreichenden Vorkehrungen für eine bessere Sicht treffen. Spiegel könnten den Toten Winkel ausleuchten. VCD: Problem seit Jahren bekannt

taz köln, 14.02.2002, Nr. 87, S. 1

taz köln

Seit Jahren beklagt der Verkehrsclub Deutschland (VCD), dass LKW ohne ausreichende Sicht vom TÜV zugelassen würden. Eine oft tödliche Gefahr für RadfahrerInnen, die sich im so genannten „Toten Winkel“ befinden. Ende Januar wurde in Zollstock abermals eine Radfahrerin von einem LKW erfasst und getötet. Der VCD sieht sich jetzt in seiner Kritik bestätigt.

Vor nicht einmal einem Jahr, im Mai 2001, kam es an der gleichen Kreuzung Zollstockgürtel/Höninger Weg ebenfalls zu einem tödlichen Unfall. Der Hergang des Unfalls war in beiden Fällen derselbe: Der LKW bog vom Zollstockgürtel nach rechts in den Höninger Weg in Richtung Innenstadt ein und kollidierte dabei mit der Radfahrerin. „Diese geriet mit dem Rad unter die Zugmaschine des Lastzuges und wurde von der Hinterachse überrollt“, heißt es wortgleich in beiden Polizeiberichten.

Solche Unfälle sind keine Besonderheit des Zollstocker Gürtels. Im Februar 2001 fuhr eine 36-jährige Radfahrerin auf dem Radweg auf der Widdersdorfer Straße in Köln-Braunsfeld in Richtung Innenstadt. Als sie die Eupener Straße überqueren wollte, erfasste sie ein in die Straße einbiegender LKW und schleifte sie mit. Erst vor dem ersten Gebäude des in der Eupener Straße angesiedelten „Technologieparks“ kam der LKW zum Stehen. Die Frau starb an der Unfallstelle. Auch diese Radfahrerin hatte sich außerhalb des Blickwinkels des LKW-Fahrers befunden.

„Warum wird dieser Tote Winkel zugelassen?“ fragt Roland Schüler vom VCD Köln. Schließlich sei für LKW alles geregelt, vom Auspuff über die Blinklichter bis zu den Reifen. „Es ist ein Skandal, dass nicht passende Spiegel vorgeschrieben werden“, sagt Schüler. Der VCD Köln wirft den Behörden vor, sich „nur stiefmütterlich mit diesem gefährlichen Missstand“ zu befassen. Das Problem sei schließlich seit Jahren bekannt.

Das Problem des Toten Winkels ist durch technische Maßnahmen teilweise zu entschärfen, bestätigt Volker Adolf, Verkehrssicherheitsberater der Polizei Köln. Die städtische Müllabfuhr hat zum Beispiel zwei Videokameras pro Wagen installiert, eine für das Heck und eine für die rechte Seite des Autos. Eine Lösung wäre auch, transparente Türen in LKW einzubauen oder „asphärische Spiegel“ anzubringen. Diese sind leicht gewölbt und werden auf den vorhandenen Spiegel aufgeklebt.

Für die Ecke Zollstockgürtel/ Höninger Weg hat die Polizei empfohlen, den Radweg zunächst einige Meter nach rechts in die Seitenstraße zu führen. Dann wären RadfahrerInnen für die rechts abbiegenden Autos besser sichtbar.

„Außerdem sollte der Radweg, wie an anderen Kreuzungen auch, über den Asphalt hinweg farblich gekennzeichnet werden“, fordert Adolf. Jetzt liegt es an der Stadt, diese Vorschläge umzusetzen.

Unklar ist, wann die technische Ausstattung von LKW verbessert wird. Verkehrsexperte Adolf erwartet in nächster Zeit keine Änderungen. Er rät RadfahrerInnen zur Vorsicht. Wichtig sei, hinter dem Lastwagen zu bleiben und ansonsten Blickkontakt mit dem Fahrer zu suchen. Denn im Recht zu sein, nütze RadfahrerInnen eben nichts. Die Polizei klärt über die Gefahr seit fünf Jahren bei der Verkehrserziehung an Schulen auf. Adolf: „In den Toten Winkel passt eine ganze Schulklasse.“


Autor: Dirk Eckert