„Helm ab zum Gebet? Nein!“

Rückmeldung, 22.02.1999, Zeitung des AStA der Universität Köln

Rezension

Alles begann im Januar 1997: Damals protestierten Hanna Jaskoski und Tony Schreiber, beide Mitglieder von Pax Christi, gegen den Soldatengottesdienst von Kardinal Joachim Meisner, der jedes Jahr im Kölner Dom stattfindet. Mit dem Transparent „Kriege verhindern – Rüstung ächten“ standen die beiden am 27. Januar 1997 um 8 Uhr morgens vor dem Kölner Dom, als um die 1000 Soldaten auf dem Weg zur Predigt waren. Es dauerte keine Stunde, bis sie von der Polizei festgenommen wurden – sie hatten die Domplatte nicht verlassen wollen.

Die Proteste der Kölner Friedensbewegung ließen nicht auf sich warten. Ein Jahr später fand in Köln eine Tagung zur Aufrüstung und Militarisierung statt, die in der jetzt erschienen Dokumentation „Wieder Helm ab zum Gebet? Nein! Protest auf der Domplatte!“ abgedruckt sind. Auch Mobilisierungsflugblätter, Presseberichte und Fotos der Gegendemonstration des Jahres 1998 sind in dem Buch dokumentiert.

„Wem käme es in den Sinn, Soldaten, die auch Beter sind, dann noch als Mörder zu diskriminieren. Nein, in betenden Händen ist die Waffe vor Mißbrauch sicher.“ So hatte der Kardinal Meisner im Jahr 1996 gepredigt. Sätze wie diese sind es, die Friedensbewegung in Köln seitdem jedes Jahr auf die Beine bringen.

Als „Legitimierung zukünftiger Kriege durch die kirchliche Obrigkeit“ wertet das „Kölner Friedensforum“ die Predigten des Kardinals. Es gehe um die „weltweite Durchsetzung der Wirtschaftsinteressen der EU“. Den „geplanten Militäraktionen in aller Welt“ solle schon vorab „Weihe und göttliche Legitimität“ verliehen werden.

In der Teilnahme des damaligen Verteidigungsministers Volker Rühe (CDU) am Soldatengottesdienst 1998 sieht das Friedensforum eine „unheilige Allianz zwischen Kirche und Staat im Interesse von Großkapital, transnationalen Konzernen und Rüstungsindustrie“. Von der Polizei an den Rand der Domplatte gedrängt, demonstrierten damals an die hundert DemonstrantInnen gegen den Gottesdienst.

Derweil predigte Meisner im Dom: „Weil der Mensch der höchste irdische Wert ist, ist er unserer Gesellschaft so lieb und teuer, daß sie sich die Bundeswehr leistet.“ Klar, daß die Kölner Friedensbewegung das nicht so stehen lassen wollte. Sie rief auch 1999 wieder dazu auf, dem „militärisch-klerikalen Komplex“ zu zeigen, „was eine freiheitlich-friedliche Harke ist“.

Kay Hecht (Hrsg.): „Wieder Helm ab zum Gebet“? Nein! Protest auf der Domplatte!, Eigenverlag, Köln 1999, 114 Seiten.
Das Buch kann bestellt werden zum Preis von 12 Mark plus 3 Mark Porto und Verpackung nach Zahlung auf Konto 1396 3046, Stadtsparkasse Köln, BLZ 370 501 98, bei Kay Hecht, Merowingerstr. 31, 50677 Köln.


Autor: Dirk Eckert