Kirche und Knarren

„Helm ab zum Gebet“? Nein!

taz ruhr, 18.02.1999, Nr. 20, S. 6

Rezension taz ruhr

Alles begann im Januar 1997: Damals protestierten Hanna Jaskoski und Tony Schreiber, beide Mitglieder von Pax Christi, gegen den Soldatengottesdienst von Kardinal Joachim Meisner, der jedes Jahr im Kölner Dom stattfindet. Mit dem Transparent „Kriege verhindern – Rüstung ächten“ standen die beiden am 27. Januar 1997 um acht Uhr morgens vor dem Kölner Dom, als um die 1000 Soldaten auf dem Weg zur Predigt waren. Es dauerte keine Stunde, bis sie von der Polizei festgenommen wurden – sie wollten die Domplatte nicht verlassen.

Die Proteste der Kölner Friedensbewegung ließen nicht auf sich warten. Ein Jahr später fand in Köln eine Tagung zu Aufrüstung und Militarisierung statt, die in der jetzt erschienen Dokumentation „Wieder Helm ab zum Gebet? Nein! Protest auf der Domplatte!“ abgedruckt ist. Auch Flugblätter, Presseberichte und Fotos der Gegendemonstration des Jahres 1998 dokumentiert das Buch.

„Wem käme es in den Sinn, Soldaten, die auch Beter sind, dann noch als Mörder zu diskriminieren. Nein, in betenden Händen ist die Waffe vor Mißbrauch sicher.“ So hatte der Kardinal Meisner im Jahr 1998 gepredigt. Sätze wie diese sind es, die die Friedensbewegung in Köln seitdem jedes Jahr auf die Beine bringen.

Als „Legitimierung zukünftiger Kriege durch die kirchliche Obrigkeit“ wertet das „Kölner Friedensforum“ die Predigten des Kardinals. Den „geplanten Militäraktionen in aller Welt“ solle schon vorab „Weihe und göttliche Legitimität“ verliehen werden.

In der Teilnahme des damaligen Verteidigungsministers Volker Rühe (CDU) am Soldatengottesdienst 1998 sieht das Friedensforum eine „unheilige Allianz zwischen Kirche und Staat im Interesse von Großkapital, transnationalen Konzernen und Rüstungsindustrie“. Die Polizei drängte damals an die hundert DemonstrantInnen an den Rand der Domplatte.

Derweil predigte Meisner: „Weil der Mensch der höchste irdische Wert ist, ist er unserer Gesellschaft so lieb und teuer, daß sie sich die Bundeswehr leistet.“ Dies will die Kölner Friedensbewegung nicht so stehen lassen will. Sie ruft auch 1999 wieder auf, dem „militärisch-klerikalen Komplex“ zu zeigen, „was eine freiheitlich-friedliche Harke ist“.

„Helm ab zum Gebet“? Nein!
114 Seiten, Eigenverlag
12,- DM + Porto & Verpackung
Kay Hecht
Merowingerstr. 31, 50677 Köln


Autor: Dirk Eckert