Nachrichten aus Lateinamerika

Rückmeldung, 19.10.1998, Zeitung des AStA der Uni Köln



Poonal – der Name steht für „Pool de Nuevas Agencias de América Latina“ – ist ein Pressedienst lateinamerikanischer Agenturen, zu finden im Internet. Nachrichten, Hintergrundberichte, Interviews und Analysen aus Lateinamerika werden von Poonal per Datenautobahn um den ganzen Globus geschickt.

1988 schlossen sich zehn alternative Presseagenturen in Mexico-City zusammen. Ihr Ziel war es, eine veränderte Sichtweise auf Lateinamerika zu präsentieren. Mit Poonal sollten LateinamerikanerInnen die Möglichkeit bekommen, sich selbst zu äußern. Ein Gegengewicht zu der eurozentris-tischen Darstellung Lateinamerikas in den Medien der Ersten Welt sollte geschaffen werden. Das Zielpublikum waren nicht nur die damals noch stärkeren Dritte-Welt-Gruppen, sondern von Anfang an auch die etablierten Medien. Als Multiplikatoren sollten sie für die Verbreitung der Inhalte sorgen.

Inzwischen sind fünfzehn Presseagenturen an Poonal beteiligt. Kuba, Chile, Brasilien, und viele mehr – alle sind sie mit eigenen Agenturen vertreten. Berichtet wird nicht nur über Politik, auch sozialen Mißstände und ihre Hintergründe werden thematisiert. In der aktuellen Ausgabe findet sich dann beispielsweise ein Bericht über die Ausweisung von ArbeitsmigrantInnen aus Costa Rica. Mehr als 50.000 Menschen wurden 1998 so in ihr Herkunftsland Nicaragua zurückgeschickt. BeobachterInnen gehen davon aus, daß die restriktive Politik Costa Ricas im Zusammenhang mit Grenzstreitigkeiten zwischen dem Land und Nicaragua steht. Auch Hintergrundanalysen wie „Die Mythen der „Globalisierung“, ein Aufsatz des brasilianischen Ökonomen Paulo Nogueira Batista Jr., werden von Poonal verbreitet.

Poonal erscheint alle einmal pro Woche. Die Texte werden in Mexico-City gesammelt und ins deutsche übersetzt. Dann werden sie per E-Mail nach Köln geschickt, wo sie nochmals sprachlich überarbeitet werden. Von da werden sie weiter nach Berlin geschickt, wo der „Nachrichtenpool Lateinamerika e.V.“ den Vertrieb und die Koordinationsarbeit übernimmt.

Im Internet ist das Archiv von Poonal einschließlich der aktuellen Ausgabe unter der Adresse http://www.berlinet.de/poonal/ zu finden. Gegen eine einmalige Gebühr von 40 Mark gibt es Poonal auch per E-Mail. Mailbox-BenutzerInnen finden Poonal auch in den Brettern „CL/SUEDAMERIKA/ALLGEMEIN“ oder „APC/REG/SAMERICA“.


Autor: Dirk Eckert