Zweite private Hochschule in Baden-Württemberg vor der Eröffnung

Ein Jahr Studium: 15000 DM

philtrat, 31.05.1998, Zeitung der StudentInnenschaft der Philosophischen Fakultät der Universität Köln, nr. 23, S. 2

philtrat

In Stuttgart sind die Weichen für die neue Privatuniversität gestellt. Das Stuttgart Institute of Managment and Technology (SIMT) wird seinen Sitz in Stuttgart Hohenheim haben. Damit hat Baden-Württemberg bereits die zweite Privatuniversität dieser Art. Die erste ist die in Bruchsal ansässige International University of Germany.

Beide Universitäten funktionieren nach ähnlichem Muster. Finanziert wird das ganze durch Studiengebühren und Kapital, das vom Land und von Wirtschaftsunternehmen bereitgestellt wird. So kommen in Bruchsal fünfzig Prozent des Zehn-Millionen-Jahresetats von Unternehmen. Die StudentInnen werden weitere 35 Prozent beitragen, und zwar mit Studiengebühren von stattlichen 18 000 Mark pro Jahr. Die verbleibenden fünfzehn Prozent übernimmt das Land.

In Stuttgart werden die StudentInnen mit mindestens 15 000 Mark zur Kasse gebeten werden. Bei angestrebten dreihundert StudentInnen ein Betrag von viereinhalb Millionen Mark im Jahr. Doch der Löwenanteil kommt woanders her. Die Finanzierung soll durch einen Kapitalstock von vierzig Millionen Mark gesichert werden, wobei Wirtschaftsunternehmen fünfundzwanzig und das Land fünfzehn Millionen zur Verfügung stellen.

Das SIMT in Stuttgart ist international ausgerichtet. So soll die Unterrichtssprache englisch sein. Der Lehrbetrieb soll 1999 mit dem Master-Studiengang International Managment beginnen. Im nächsten Jahr soll dann das Fach Finance and Investment and Information Technology folgen. Damit folgt die Stuttgarter Elite-Universität dem Bruchsaler Vorbild. Auch dort sind nur Studiengänge „mit Praxisbezug“, soll heißen Unterricht für die Ausbildung zum höheren Managment, zu finden. Information and Communication Technology ist in der Bruchsal der als erstes eingerichtete Master-Studiengang. Weitere geplante Studiengänge sind der Master of Business Administration und der Bachelor of Science.

StudentInnen, die Studiengebühren in Größenordnungen von über 15 000 Mark niemals aufbringen können, wird die Möglichkeit eines Stipendiums versprochen. Die Bruchsaler Universität will jedem und jeder vierten StudentIn ein Gratisstipendium bezahlen. So daß dann einige StudentInnen den Aufstieg in die Welt des gehobenen Managments schaffen können – wenn sie nur zu den Auserwählten gehören. Auch in Stuttgart sind Stipendien versprochen.

Studiengebühren sind im Land Baden-Württemberg längst keine Neuheit. Schon längst gilt im Schwabenland die Devise „Regelstudienzeit plus vier“. Wer dann das Studium noch nicht beendet hat, muß harte Devisen bezahlen: tausend Mark pro Semester. Schon im Wintersemester 1997/98 haben nach Angaben des Wissenschaftsministers Klaus von Trotha (CDU) 106 StudentInnen die Gebühr entrichtet. Gleichzeitig gestand er ein, daß die gegenwärtige Regelung der Situation behinderter und chronisch kranker StudentInnen „nicht ausreichend“ Rechnung trägt (FAZ, 23.5.1998). Eine neue Härtefallklausel könne da Abhilfe schaffen. Die SPD-Landtagsabgeordnete Bregenzer bemerkte dazu, daß dann im Prinzip alle StudentInnen einen Härtefall vortragen könnten. Die Universität müsse dann jedem Einzelfall nachgehen.


Autor: Dirk Eckert