„Überall herrscht die gleiche Struktur“

Alle Fastfood-Ketten sind "tendenziell sehr unfreundlich" zu Betriebsräten, sagt Gewerkschafter Manfred Sträter

taz nrw, 20.12.2006, S. 2

Interview taz nrw

taz: Herr Sträter, wie schmeckt Ihnen der Burger bei Burger King?

Manfred Sträter: Gar nicht gut – jedenfalls seit in der Filiale Dortmund-Kley am 10. Mai drei Betriebsratsmitgliedern und einem Wahlvorstandsmitglied fristlos gekündigt wurde.

taz: Die vier sollen Betriebsratswahlen manipuliert haben. Wie glaubhaft sind diese Anschuldigungen?

Manfred Sträter: Sie wurden mittlerweile mehrfach gerichtlich überprüft. Das Arbeitsgericht Dortmund hat den Antrag von Burger King zurückgewiesen, die Wahl für nichtig zu erklären.

taz: Warum sollte Burger King denn sonst kündigen wollen?

Manfred Sträter: Der Betriebsrat erzielt Erfolge für die Mitarbeiter, die nicht nur in Dortmund-Kley wichtig sind. Im Moment sind wir in Verhandlungen über Zuschläge auf Nachtarbeit. Der Betriebsrat fordert 25 Prozent, und wir denken, dass wir die auch durchsetzen können. Ein Betriebsrat, der Teilzeitarbeit moniert, Schichtpläne überprüft oder Urlaubsansprüche durchsetzt, ist Burger King ein Dorn im Auge.

taz: Ist Burger King damit eine Ausnahme in der Lebensmittelbranche?

Manfred Sträter: Nein, Systemgastronomen wie McDonald’s, Pizza Hut oder Kentucky Fried Chicken sind tendenziell sehr unfreundlich gegenüber Betriebsräten und Arbeitnehmerinteressen.

taz: Woran liegt das?

Manfred Sträter: Überall herrscht die gleiche Struktur. Um hohe Profite zu erwirtschaften, werden die Mitarbeiter schlecht behandelt. Eine Entlohnung von 6,13 Euro in der Stunde ist schon äußerst mies. Da werden die Mitarbeiter sicher nicht entsprechend ihrer Leistung am Unternehmenserfolg beteiligt. Offenbar wiegt das Interesse der Shareholder mal wieder mehr als das Interesse der Beschäftigten. Bei Burger King haben wir es übrigens mit der gleichen internationalen Heuschrecke zu tun wie am Düsseldorfer Flughafen bei Gate Gourmet: mit dem Finanzinvestor Texas Pacific.

taz: Was können Beschäftigte tun, wenn ihre Firma keinen Betriebsrat hat?

Manfred Sträter: Eine Betriebsratswahl müssen die Arbeitnehmer laut Gesetz selbst organisieren. Wir als Gewerkschaft unterstützen das.

taz: Nur in wenigen Burger-King-Filialen gibt es überhaupt einen Betriebsrat. Liegt das vielleicht auch an den Beschäftigten?

Manfred Sträter: Vor allem an ihrer prekären Situation: Mehr als die Hälfte aller Arbeitsverträge sind befristet. Wer keinen Vollzeitvertrag hat, muss immer um seine Weiterbeschäftigung fürchten. Das ist keine gute Basis für kollektive Interessenvertretung.

MANFRED STRÄTER, 52, ist Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Dortmund.


Autor: DIRK ECKERT