Weidmanns Unheil

Das Waldsterben geht ungebremst weiter. Umweltminister Uhlenberg will die Wälder durch mehr Forstwirtschaft schützen. Waldexperte: Wegen Klimawandel müssen andere Baumarten her

taz nrw, 30.11.2006, S. 1

taz nrw

Der Zustand der Wälder in NRW hat sich dramatisch verschlechtert. Das zeigt der neue Waldschadensbericht, den Landesumweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) gestern in Düsseldorf vorgestellt hat. Nur noch 25 Prozent der Bäume gelten als gesund. 1984, als der Zustand des Waldes erstmals untersucht wurde, waren es noch 59 Prozent. Als deutlich geschädigt werden 25 Prozent aller Bäume eingestuft.

In diesem Sommer haben Trockenheit und hohe Ozonwerte dem Wald besonders zugesetzt. Eine Belastung, mit der die Wälder in NRW auch in Zukunft kämpfen müssen: Klimaforscher gehen davon aus, dass sich NRW bis 2050 um zwei Grad erwärmt. Darunter würden vor allem Fichten und Kiefern leiden, deren Zustand sich schon jetzt stetig verschlechtert. Etwas besser geht es derzeit den Eichen und Buchen. So gelten nur noch 32 Prozent statt bisher 42 aller Eichen als deutlich geschädigt.

Schuld am schlechten Zustand des Waldes seien vor allem Verkehr und Landwirtschaft mit ihren Emissionen, sagte Umweltminister Uhlenberg. So belasteten zum Beispiel die Bauern den Boden mit Ammoniak, wenn sie ihre Gülle auf die Felder ausbringen. Um den Wald zu schützen, setzt Uhlenberg vor allem auf mehr Holznutzung. „Regelmäßig durchforstete Wälder sind widerstandsfähiger“, sagte er. Derzeit boome der Holzmarkt und es gebe in NRW „große Holzpotenziale, die nicht ausreichend genutzt werden. Volkswirtschaftlich können wir es uns nicht mehr leisten, Holz im Wald verrotten zu lassen“, so Uhlenberg.

Mehr Holzwirtschaft rette den nordrhein-westfälischen Wald aber langfristig nicht, kritisierte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in NRW. „An die Ursachen für die Waldschäden traut sich die Politik nicht heran“, sagte BUND-Sprecher Dirk Jansen. „Es wird höchstens an den Symptomen gedoktert.“ Das Land müsse schadstoffarme Energien wie Gas sowie die ökologische Landwirtschaft fördern. „Eine Kuh stößt soviel schädliches Gas aus wie drei Autos“, sagte Jansen. „Massentierhaltung ist für unsere Wälder ausgesprochen schädlich, leider versteht sich unser Umweltminister bei diesem Thema als Lobbyist für die konventionellen Landwirte.“

Schadstoffbelastungen ließen sich in einem hochindustriellen Land wie Deutschland kaum vermeiden, findet dagegen der Münsteraner Forstwissenschaftler Thorsten Mrosek. „Es kann dem Wald helfen, wenn alte Bäume gefällt und durch vitalere ersetzt werden.“ Auch wenn sich der Wald dabei für immer verändert. Denn: „Einige Bäume wie Fichten leiden unter dem Klimawandel“, sagt Mrosek. „Für die Holzwirtschaft macht es möglicherweise auch Sinn, den nordamerikanischen Nadelbaum Douglasia einzuführen.“ Das greife allerdings tief in das heimische Ökosystem ein. „Die Holzwirtschaft wird aber irgendwie auf die Klimaveränderungen reagieren müssen.“


Autor: MIRIAM BUNJES und DIRK ECKERT