Die Bahn gefährdet ihre Zukunft

Angeblich ist ja noch nichts passiert. Trotz kaputter Klimaanlagen in den Regionalzügen der Bahn wurden bislang in Nordrhein-Westfalen kein Kreislaufkollaps, kein Todesfall gemeldet. Soweit die gute Nachricht. Ein Anlass zur Entwarnung sollte das aber nicht sein: Wer in den letzten Wochen mal im Regionalexpress zwischen Dortmund, Düsseldorf und Köln ein Abteil ohne Kühlung erlebt hat, dürfte sich eher wundern, dass noch nichts Schlimmeres passiert ist. Vor allem, wenn die Züge so überfüllt sind, dass es keine Ausweichmöglichkeiten mehr gibt.

Würde die Bahn mehr Waggons einsetzen, wäre das Problem schon halb behoben. Dann könnten die Betroffenen auf ein anderes Abteil ausweichen, wenn die Klimaanlage streikt. Doch zu den Stoßzeiten reichen die Sitzplätze selten für alle Fahrgäste. Es ist offensichtlich: Die Bahn will mit möglichst wenig Einsatz maximalen Profit machen. Den Preis zahlen die Berufspendler, die täglich wie Sardinen in der Büchse befördert und im Sommer auch noch gekocht werden.

Mit dieser Sparpolitik macht die Bahn vielleicht im Augenblick Gewinne. Zugleich vertreibt sie aber die eigenen Kunden. Bleiben diese weg, muss die Bahn die Preise erhöhen, mit der Folge, dass noch mehr Menschen aufs Auto umsteigen. Langfristig ist damit der gesamte Nah- und Regionalverkehr in seiner heutigen Form in Gefahr. Und auf Ballungsräume wie das Ruhrgebiet würde eine gigantische Autolawine zukommen. Um dem vorzubeugen, müsste die Bahn jetzt umsteuern. Sicher kann es vorkommen, dass eine Klimaanlage ausfällt. Natürlich kann die Bahn nichts dafür, wenn die Gleise gesperrt werden müssen wegen eines Unfalls oder weil Kinder auf den Schienen spielen. Mit mehr Zügen, Gleisen und Servicepersonal ließen sich die Folgen solcher Zwischenfälle aber leichter bewältigen. Es gibt keinen Grund, die schlechten Zustände im Regionalverkehr als unabänderliches Schicksal zu akzeptieren.