Kooperation beendet

Nach der Hartenfels-Affäre stellen drei NRW-ASten ihre Zusammenarbeit mit dem Kölner Uni-AStA infrage

taz nrw, 30.11.2005, S. 2

taz nrw

Wegen der Affäre um den früheren Nazi-Aktivisten Thomas Hartenfels gerät der AStA der Uni Köln immer stärker in die Kritik. Die Studierendenvertretungen der FH Köln und der Uni Düsseldorf haben angekündigt, nicht mehr mit dem Studierendenausschuss zusammenzuarbeiten, bei dem Hartenfels bis letzte Woche Projektleiter war. Der AStA der FH Dortmund kündigte an, jede Zusammenarbeit „genauestens“ zu prüfen.

Die studentische Alternative Liste (AL) hatte Hartenfels, der inzwischen aus der Kölner Gruppe des CDU-Hochschulablegers RCDS ausgetreten ist, vergangenen Dienstag als früheren Neonazi-Aktivisten enttarnt. In einer ersten Stellungnahme hatten die Studierenden zwar jeglichen Rechtsextremismus verurteilt, der AL aber eine „Hetzkampagne“ vorgeworfen und Hartenfels insbesondere gegen den Vorwurf in Schutz genommen, er habe mit den faschistischen „freien Kameradschaften“ demonstriert. Hartenfels habe 1999 mit Schülern seines Geschichtskurses an einer Demo gegen die Wehrmachtsausstellung teilgenommen, behauptete der AStA. Erst als die AL eine Videoaufnahme der Demo vorlegte, die Hartenfels im Kreise von Neonazis zeigte, und als immer mehr Details an Licht kamen, ging der AStA auf Distanz. Hartenfels wurde vorgeworfen, „wissentlich gelogen“ zu haben.

Den Vorwurf der „Hetzjagd“ gegen die Alternative Liste hält der AStA allerdings bis heute aufrecht. Ein „unfairer Angriff auf die AL“, der von „mangelnder Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem Thema Neonazismus“ zeuge, findet der AStA der Uni Düsseldorf. Die Studivertreter der FH Köln werfen ihren Uni-Kollegen vor, „Hetze gegen linke und antifaschistische Gruppen“ zu betreiben. Andere ASten und Hochschulgruppen sollten sich nun „zu dem Vorfall positionieren“, fordern die Studivertretungen.


Autor: DIRK ECKERT