Für Kölner Grüne hat sich ihr Zugpferd vergaloppiert

Parteimitglieder kritisieren die Aussage der Grünen-Fraktionschefin Barbara Moritz, die eine Teilbebauung der Rennbahn in Weidenpesch für richtig hält. Beschlusslage der Partei sei, den Erhalt der "Grünen Lunge" im Norden Kölns einzufordern und alternative Rennbahnfinanzierung zu prüfen

taz köln, 10.08.2004, S. 1

taz köln

Mit Unverständnis haben Kölner Grüne auf die Äußerungen von Barbara Moritz zur Pferderennbahn Weidenpesch reagiert. Die Vorsitzende der grünen Ratsfraktion hatte sich am Samstag im taz-Interview für die Teilbebauung der Rennbahn ausgesprochen. Morgen soll das Thema auf der Vorstandssitzung der Fraktion besprochen werden.

„Das entspricht nicht unseren Absprachen“, kritisiert Horst Thelen, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bezirksvertretung Nippes, die Aussage von Moritz. Alle grünen Beschlüsse forderten die Erhaltung der denkmal- und landschaftsgeschützen „Grünen Lunge“ im Norden Kölns. Deshalb dürfe die Rennbahn auch keinesfalls Konkurs gehen. Denn sie sei die Garantie, dass die Grünfläche in ihrer jetzigen Form erhalten bleibe, so Thelen.

Die Pferderennbahn Weidenpesch ist verschuldet und sanierungsbedürftig (taz berichtete). Mit den Plänen des Rennvereins, der selbst eine Teilbebauung des 55 Hektar großen Areals vorgeschlagen hat, sind die Grünen indes alles andere als einverstanden. „Alle Möglichkeiten einer alternativen Finanzierung ohne Flächenverkauf müssen ernsthaft verfolgt werden“, fordert Thelen. So müsse etwa über Spendensammlungen („Ein Euro pro Kölner im Jahr“) nachgedacht werden. „Wenn den Kölnern Rennverein und Grünanlage wichtig sind, müssen sie was dafür tun.“ Auch der vom grünen Fraktionsvize Jörg Frank angeregte Investmentfonds, dessen Rendite den Betrieb der Rennbahn finanzieren soll, könnte eine Möglichkeit sein.

Frank zeigt sich ebenfalls verwundert über die Äußerungen von Barbara Moritz. „Das ist offenbar ihre persönliche Meinung“, meint er. „Wir haben keine Beschlussfassung, die von einer Teilbebauung ausgeht.“ Diese sei die denkbar schlechteste Lösung. „Der Rennverein ist in der Pflicht, ein mittelfristiges Wirtschaftskonzept für den Betrieb der Rennbahn vorzulegen.“ Solange ein solches Konzept fehle, nützten auch Bebauungspläne nichts. „Man könnte den Eindruck kriegen, dass es keine Alternativen zur Teilbebauung gebe“, kritisiert er den Rennverein.

Damit die Rennbahn ordentlich betrieben werden könne, sei nach Expertenmeinung im Übrigen das ganze Gelände nötig. Die Befürchtung von Moritz, dass ohne Teilbebauung das ganze Areal von Verkauf beziehungsweise Bebauung bedroht ist, wenn der Rennverein pleite geht und das Gelände an das Land fällt, teilt Frank nicht. „Das ist in erster Linie eine Drohkulisse vom Rennverein.“ Zudem wäre „die Vernichtung von 55 Hektar Landschaftsschutzgebiet“ durch Umwandlung in Baugebiet „für jede Landesregierung schwer durchsetzbar“.

„Nur wenn alle Möglichkeiten einer alternativen Finanzierung scheitern, würden wir die Frage einer Teilbebauung angehen“, sagt Thelen. „Auf gar keinen Fall“ kann er sich indes eine Zustimmung zu den neuen Plänen des Rennvereins vorstellen, die 250 Wohnungen für das Gelände vorsehen, wie es schon die CDU-FDP-Koalition 2001 beschlossen hatte. Zwar hätten die Grünen der Teilbebauung des Geländes mit 140 Wohnungen zugestimmt – aber das sei eben ein Kompromiss mit dem Koalitionspartner CDU gewesen, betont Horst Thelen.


Autor: Dirk Eckert