bürgerbefragung

Vorurteile amtlich bestätigt

taz köln, 23.04.2004, S. 1

Kommentar taz köln

Kölns Polizei wird von den Bürgern als Freund und Helfer sehr geschätzt, müsste aber bei der Bekämpfung von Straßenkriminalität mehr tun und auch bei der Überwachung und Kontrolle von Orten, an denen Kriminalität begünstigt wird. Das ist das Ergebnis einer gestern vorgelegten Bürgerbefragung. Die Polizei sieht sich darin in ihren Bemühungen bestätigt. Jetzt will sie zum Beispiel mit mehr Polizei auf der Straße die „gefühlte Kriminalitätslage“ verbessern.

Ein Blick in den Fragebogen jedoch lässt erhebliche Zweifel an der Seriosität dieser angeblich wissenschaftlichen Bürgerbefragung aufkommen. Da ist etwa zu lesen, dass zu den Orten, „an denen Kriminalität begünstigt wird“, „Offene Drogenszene, Orte illegaler Beschäftigung, Rotlichtmilieu“ zählten. Dass allseits bekannte Orte von Wirtschaftskriminalität (Müllofenbauer oder Kölsche Klüngel-Amtsstuben) hier nicht vorkommen, ist kein Zufall, sondern hat Methode, wie eine andere Frage zeigt, in der nach „Örtlichkeiten, Situationen und Erscheinungsformen“ gefragt wird, die „Unbehagen, Unsicherheit oder Angst“ erzeugen. Neben dunklen Parks oder Parkhäusern tauchen als mögliche Antworten auf: „Aufenthaltsorte von: Nichtsesshaften; gewaltbereit wirkenden Jugendlichen; aggressiven Bettlern; Punkern; Drogenabhängigen“.

Das soll wissenschaftlich sein? Warum nicht gleich nach kriminellen Ausländern, Hippies oder Asozialen fragen? Liebe Polizei, solche Fragen sind keine Fragen, sondern eine amtliche Bestätigung von Vorurteilen mit den Mitteln der Demoskopie!


Autor: Dirk Eckert