Sicherheit ist Köln zu teuer

Weil das Geld fehlt, investiert Köln nicht in Verkehrssicherheit. Folge: Immer wieder kommt es zu den gleichen Unfällen. Nicht finanzierbare Vorschläge macht die Verwaltung erst gar nicht, so die Grünen

taz köln, 13.03.2004, S. 1

taz köln

Mindestens drei Mal im Jahr kracht es – und das gleich an 124 Orten im Kölner Stadtgebiet. Von „unfallauffälligen Bereichen“ spricht die Polizei, wenn sich der gleiche Typ Verkehrsunfall mindestens drei Mal im Jahr an derselben Stelle wiederholt. Allerdings wird nicht immer alles getan, um diese gefährlichen Stellen zu entschärfen. Denn Investitionen in Verkehrssicherheit scheitern oftmals am Geld.

Die Kreuzung Innere Kanalstraße/Neusser Straße gehört zu den Orten, an denen in drei Jahren mindestens drei Tote bzw. Schwerverletzte registriert wurden. Notwendig seien hier Investitionen in die Ampelanlage, um die Sicherheit von Radfahrern zu verbessern, sagt Sabine Bongenberg vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik. „Es ist fraglich, ob die Finanzierung sichergestellt werden kann.“

Die Ampel müsste nach Ansicht der Stadtverwaltung auch bei der Kreuzung Vogelsanger Straße/Innere Kanalstraße erneuert werden, die mit mindestens fünf verletzten Radfahrern in drei Jahren zu den gefährlicheren Stellen gehört. Doch auch das könne „derzeit nicht finanziert“ werden, sagt Bongenberg.

Manchmal reichen kleinere Verbesserungen bei Ampeln oder Straßenmarkierungen nicht aus. Etwa wenn es auf der Inneren Kanalstraße und Universitätsstraße immer wieder zu Auffahrunfällen kommt oder Fußgänger schnell noch bei roter Ampel über die Aachener Straße zur Straßenbahn rennen. Mindestens drei Tote bzw. Schwerverletzte in drei Jahren vermerkt die Statistik für diese Kreuzung. Die Stadt prüft zur Zeit, ob die Rechtsabbiegerspur zur Universitätsstraße mit Ampeln versehen werden soll.

Doch solche „einschneidenden Maßnahmen“ könnten „nicht so ohne weiteres“ durchgeführt werden, erklärt Bongenberg. Zuerst untersuche das Amt für Straßen und Verkehrstechnik Beschilderung, Ampelanlage und Fahrbahnmarkierung. „In der Regel ist das ausreichend“, sagt Bongenberg. Dann beschäftige sich die Unfallkommission aus Stadt und Polizei, deren Vorsitzende Bongenberg ist, mit dem Problem und schlage Lösungen vor – Lösungen, die eben oft nicht finanzierbar sind.

„Wenn es um größere Umbauten geht, kann das schon an der Finanzierung scheitern“, räumt der Grüne Manfred Waddey, Vorsitzender des Bau- und Verkehrsausschusses, ein. „Es ist uns bewusst, dass an allen Ecken und Enden Geld fehlt.“ Laut Waddey trifft die Verwaltung ohnehin eine Vorauswahl: „Wenn irgendeine Maßnahme von der Verwaltung als nicht finanzierbar eingeschätzt wird, kriegen wir in der Politik das gar nicht mit“, beschreibt er das Verfahren in der Kölner Stadtpolitik.

Dabei bringen drastischere Maßnahmen durchaus Erfolge. An der Kreuzung Innere Kanalstraße/Venloer Straße etwa wurde die Nebenfahrbahn der Venloer Straße in die Ampelanlage einbezogen. Die Stelle verschwand daraufhin wieder aus der Statistik der unfallauffälligen Bereiche, berichtet Bongenberg.

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Unfallursachen und Verkehrsopfer

Die Verkehrsopfer sind in Köln vor allem Fußgänger: Ihr Anteil an den getöteten Verkehrsteilnehmern beträgt 57 Prozent, gefolgt von 30 Prozent PKW-Fahrern, 9 Prozent motorisierten Zweiradfahrern und 4 Prozent Radfahrern. Im Jahr 2003 wurden 23 Menschen im Kölner Straßenverkehr getötet. Mit 66,9 Prozent sind Autofahrer am häufigsten an Unfällen beteiligt. Die Hauptunfallursachen sind denn auch Abbiegen (31,7 Prozent), Vorfahrt (17,2 Prozent), Abstand (16,4 Prozent) und „nicht angepasste“ Geschwindigkeit mit 10,9 Prozent.

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Autor: Dirk Eckert