„Wir definieren uns als Berater für Köln“

Joachim Metzner, Rektor der Fachhochschule Köln, sieht die Leitbilddiskussison als wechselseitigen Prozess. Die Stadt solle ihre Bildungsstätten mehr beachten, dafür hätten diese eine Bringschuld - etwa als Ansprechpartner

taz köln, 02.05.2002, Nr. 98, S. 4

Interview taz köln

taz: Herr Metzner, wie sollte Ihrer Meinung nach das Kölner Leitbild aussehen?

Joachim Metzner: Ein traditionelles Problem, das diese Stadt mit uns und mit sich selbst hat, ist, dass sie die Hochschulen zu wenig wahrnimmt. Köln ist eine Stadt, in der rein zahlenmäßig die meisten Hochschulen in einer deutschen Großstadt vertreten sind. Köln ist einer der größten und dichtesten europäischen Bildungsstandorte. Das müsste eine sehr deutliche Rolle in dem Diskussionsprozess um das Leitbild spielen.

taz: Wie ist Ihre Hochschule bisher am Leitbildprozess beteiligt?

Joachim Metzner: Wir sind relativ früh eingebunden gewesen und haben uns sofort am Beginn in die Diskussion eingeschaltet. Aus unserer Sicht sollte man diese Leitbilddiskussion nutzen, um hier ein historisch gewachsenes Defizit aufzuarbeiten. Nach den ersten Papieren hatten wir aber den Eindruck, dass Hochschulen in dieser Diskussion wieder in bestimmter Hinsicht zu kurz kommen.

taz: In wie fern werden die Hochschulen zu wenig wahr genommen?

Joachim Metzner: Ein typisches Beispiel ist das Problem der Beschilderung. Es ist fast unmöglich, dass Fremde mit Hilfe öffentlicher Verkehrshinweise eine Kölner Hochschule in angemessener Zeit erreichen. Das gilt für Straßenschilder wie für U-Bahn-Haltestellen. Bisher fehlt die Bereitschaft, Köln als eine Stadt der Hochschulen für Fremde sichtbar zu machen.

taz: Was nutzt ein Kölner Leitbild der Fachhochschule?

Joachim Metzner: Das Wahrnehmungsproblem, das ich gerade beschrieben habe, existiert natürlich wechselseitig. Eine Hochschule muss sich auch selbst immer wieder klar machen, dass sie eine lokale, auf den eigenen Standort bezogene Rolle spielt und dass sie da bestimmte Verpflichtungen hat. In diesen Selbstwahrnehmungsprozess müssen auch wir eintreten. Wenn wir uns im Rahmen des Leitbilds stärker auf Köln verpflichtet sehen, dann wird sich das sicherlich auf uns selbst als Institution auswirken.

taz: Wie soll das konkret aussehen? Hat dieser Selbstwahrnehmungsprozess schon begonnen?

Joachim Metzner: Unsere Wurzeln in die Stadt hinein reichen tief. Sie beziehen sich aber primär auf den Wirtschaftsstandort Köln. Wir haben sehr gute Kontakte zu Unternehmen. Die Unternehmen profitieren von dem, was wir an Ausbildung, aber auch an Forschung und Entwicklung an sie herantragen. Wir haben darüber hinaus – und dieses Feld gilt es jetzt auszubauen – zu dem Gemeinwesen Köln intensive Kontakte in einigen, aber noch zu wenigen Bereichen.

So diskutieren unsere Architekten, unsere Architekturstudentinnen und -studenten mit in der Stadtplanung. Unsere Sozialarbeiter mischen sich ein, was die Probleme an den sozialen Brennpunkten angeht. Unsere Designer sind jederzeit bereit, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn es um die Designaspekte Kölns geht.

Wir möchten uns aber in noch breiterem Maße als Berater und Ansprechpartner für Köln definieren. Die Fachhochschule hat eine Fülle von Fächern, die dafür in Frage kommen.

taz: Gibt es eine Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen beim Leitbildprozess?

Joachim Metzner: Die hat bisher noch nicht stattgefunden. Das sollte auch in den nächsten Wochen und Monaten in Gang gesetzt werden. Die Hochschulen in Köln haben sich immer ein bisschen schwer getan, sich in einen vernünftigen, produktiven Abgleich zu begeben. Deswegen bedarf es dazu sicher auch eines gewissen moderierenden Anstoßes, wie ihn eine Leitbilddiskussion geben kann.

taz: Halten Sie es denn für möglich, ein Leitbild für Köln zu entwickeln?

Joachim Metzner: Das wird zumindest sehr schwierig werden. Sicherlich lässt sich das Ganze nicht auf einen einzigen Nenner bringen. Wir könnten uns bei den verschiedensten Ansätzen einbringen: ‚Köln als weltoffene Stadt‘, ‚Köln als soziale Stadt‘, meinetwegen auch ‚Köln als Messestadt‘. Ein ganz wichtiges Anliegen ist für uns ‚Köln als Medienstandort‘. In vielen Bereichen arbeiten wir medienbezogen und werden das noch verstärken. Wie weit man aus solchen Ansätzen ein kohärentes Leitbild formen kann, wird die Diskussion der nächsten Monate zeigen.

taz: Sie würden es begrüßen, wenn ein Leitbild zustande käme?

Joachim Metzner: Ich kann mir vorstellen, dass durch diese Leitbilddiskussion und durch die Verbreitung und allmähliche Verfestigung eines solchen Leitbildes eine gerade in Köln wichtige Verbindlichkeit und Selbstverständigung auch im Hinblick auf die Hochschulen in Gang gesetzt wird.


Autor: Dirk Eckert